"Buchautoren, die ich (teils nur ein wenig) kannte oder kenne"

Ich brauche Platz für Bücher, ich muss anders verteilen, ich muss  umräumen. "Zur Diskussion" steht ein Packen Bücher, den ich vor einigen Jahren oder Jahrzehnten zu einer Einheit zusammengefasst hatte: Bücher, verfasst von Frauen und Männern, die ich kannte, mit denen ich zu tun hatte, während des Studiums und während meines Engagements in der Studentenbewegung, während meines späteren Berufs- und Freizeitlebens. Die bekanntesten unter ihnen sind meine Lehrer Ernst Bloch, Ralf Dahrendorf, Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas. Viel mehr aber sind heute schon fast oder ganz vergessen.

Beim Blick auf die Büchertitel der Gruppe „mir bekannte Autoren“ merke ich: Die berühmt-berüchtigten Sechzigerjahre "verschwinden", sie verlieren für mich an Bedeutung und damit auch jene Menschen, mit denen ich damals zu tun hatte. Erst kürzlich entschloss ich mich, meine Abteilung "Studentenbewegung" in KELLER-Regale zu verfrachten, desgleichen den Regal-Meter "DDR". Ich denke dran, auch die "Bundesrepublik" aufs Altenteil des geringeren Interesses zu stellen, in eine um zwei Stockwerke schlechtere Zugänglichkeit.

Während einiger Tage  im August 2006 nahm ich den Regal-Meter "Bücher von mir persönlich bekannten Autoren" auseinander und sortierte die Bücher dort ein,  wohin sie THEMATISCH gehören. Im Spätherbst 2007 und im Frühjahr 09  hab ich meine Notizen über die beim Umräumen   wachgewordenen Erinnerungen erweitert.

Nostalgie schwingt beim Verfassen dieser Zeilen mit und ein  Stolz über ein  - unverdient – langes Leben: Mich fasziniert immer erneut, dass ich sagen kann: „Schau, mit dem und dem hatte ich vor VIERZIG Jahren zu tun!“

Er stand am Beginn einer Politiker-Karriere - Ob etwas folgte, ist mir nicht bekannt 

Die ÄLTESTE Bekanntschaft mit einem (späteren) Buch-Autor datiert fast fünfzig Jahre zurück und betrifft meinen einstigen („Neudeutschland“-) Jugendgruppenführer Wilfried Borst. Der Verfasser übereignete mir 16 Jahre NACH jener Zeit häufigen jugendlichen Umgangs, nämlich im Jahr 1974, ein über hundertseitiges Resümee einer "Konstitutiven Sitzung der Gründungskonferenz" für eine "Conférence Européenne pour les droits de l`homme et l`autodétermination":  Der angehende Politikwissenschaftler Wilfried Borst hatte mit dieser Gründungskonferenz zu tun. 

Wilfried Borst war mein Gruppenführer gewesen, als ich, vierzehnjährig, dem "Bund Neudeutschland" angehörte. Borst studierte nach dem Abitur Jura und Politik und strebte eine Karriere im Bereich Politik/Politikberatung an. - Ob er noch lebt? Weder im Internet noch bei GoYellow finde ich irgend einen Hinweis. 

Ergänzung:

- So wie vorstehend stand diese Erinnerung an Wilfried Borst mehrere Jahre brav und ungeändert auf meiner Website. Plötzlich, im Februar 2013, erreicht mich ein - total unerwartetes - Mail von Wilfried, des Inhalts, er lebe noch. Er teilte mir dann auch mit, wo er lebe, nämlich in Klingenberg am Main, und ungefähr auch, wie sein Berufsleben verlief. - Auf meine Borst-Notiz im Internet stieß er noch am jenem ersten Tag, an dem er sich als Ruheständler einen Internet-Anschluss zugelegt hatte.


Nun folgen einige Personen, die ich während der Studentenbewegung kennenlernte und die später Buch-Autoren wurden.

Antonia Grunenberg

Antonia Grunenberg, Antifaschismus - ein deutscher Mythos, Rowohlt-TB, 1993. 

Während ich einer der fünf vom Frankfurter Studentenparlament gewählten Studentenzeitungs-HERAUSGEBER  war, war (das damalige) SDS-Mitglied Antonia Grunenberg REDAKTEURIN dieser  Studentenzeitung "Diskus".

Antonia ist eine Schwester der damals schon, in den 60er Jahren, bekannten, noch sehr jungen ZEIT-Journalistin Nina Grunenberg (geb. 1936, bei der ZEIT seit 1961). Antonia selbst wurde als gut Vierzigjährige Uni-Professorin, zuerst in Aachen, dann an der Ossietzky-Universität Oldenburg. Dort gehört sie auch dem Kuratorium einer Ossietzky-Stiftung an.

Von Meysenbug – für mich heut unauffindbar

Zu den damaligen "Diskus"- und zugleich Adorno-Leuten gehörte der Illustrator „von Meysenbug“ (Vorname für mich nicht ermittelbar). Von ihm besitze ich das "Streit-Zeit-Buch" Nummer 2, herausgegeben von dem später ebenfalls als Autor bekannt gewordenen Horst Bingel. Von Meysenbug war einer der ersten in der damaligen Bundesrepublik, die das populäre Medium „Comic“ für politische Inhalte nützte. Meysenbug hatte ein nicht leicht vergessbares Gesicht: schmal, blass, dünnlippig, schütteres Haar, ungesunde Haut. Früher mochte man sich so vielleicht einen Adeligen aus uraltem Geschlecht vorstellen, der Künstler werden möchte – smiley (Ich kannte von Meysenbug vor allem  aus Seminaren bei Theodor W. Adorno).

Er wirkte überhaupt nicht wie ein Philosoph (smiley) –

Vom Stalinismus zur Giessener Stadtgeschichte

46 Jahre später tu ich ihn wieder auf: auf dem Umweg über einen Flohmarkt-Buchkauf und einige Internet-Recherchen: Heinrich Brinkmann.

Heinrich Brinkmann, „Stalin, Theoretiker der Bürokratie – Eine Streitschrift gegen den offenen Stalinismus und gegen die verlogenen Entstalinisierer“, Rotdruck, Giessen 1972.

Ich hatte dieses Buch auf einem Flohmarkt im Jahr  2001 erworben.

Ich vermutete gleich beim Kauf dieses Buchs, es handele sich bei dessen Autor um einen Studienkollegen aus meiner Zeit am Frankfurter Philosophischen Seminar.

Ein Versuch gleich nach dem Kauf des Buchs 2001, Heinrich Brinkmanns Adresse zu finden, war ohne Erfolg. Aber bei einem weiteren Internet-Anlauf, im Sommer 2006!, klappte es.  Heinrich Brinkmann studierte, wie er mir nun, 41 Jahre DANACH,  am Telefon erzählte, nur ein einziges Semester in Frankfurt (während meines eigenen ERSTEN Semesters  dort), im Sommer 65. Der „Typ“ Brinkmann gefiel mir damals so sehr, dass ich ihn (obwohl ich ihn nur eben dieses  eine Vierteljahr lang  sah) NICHT vergaß: Er war so ein lustiger, umgänglicher, eigentlich ganz unphilosophischer Typ. - Nach seinem Abschied aus Frankfurt wurde er in dem wenig revolutionären Gießen SDS-Vorsitzender (Als SDS-Mitglied befasste er sich mit dem damals zeitweilig heißen Thema „Stalinismus“). Wie eine ganze Reihe  68er wurde er später  GRÜNER  - und als solcher Mitglied im Gießener Stadtrat. Inzwischen (2006) lebt er im Ruhestand.  – Das eingangs erwähnte Buch über die Stalinisierer ist typisch für jene Jahre. Später hat sich Brinkmann buchmäßig mit völlig anderen Themen befasst, etwa mit Gießener Stadtgeschichte.

Heinrich Brinkmanns Biographie weist Brüche auf. Er war nicht im landläufigen Sinn erfolgreich. Aber die fröhliche Stimme und die Art des Redens (am Telefon) sind auch noch nach 41  Jahren dieselben wie einst – eine Empfindung, die mir SEHR gefällt.

Heinrich Brinkmann freut sich, dass ich mich an ihn erinnere. GESCHRIEBEN hat er aber an mich KEINE Zeile, er wollte nur telefonieren, das freilich möglichst lange. Ich stelle fest: Er präferiert einen andern Kommunikationsstil als ich - smiley. 

Beim Neusortieren  stelle ich jetzt auch Aufsätze von Philosophie-Lehrenden an der Uni Frankfurt aus „MEINER  Zeit" in die „reguläre“ (smiley) Philosophie-Abteilung. Es sind Texte  von Arend Kulenkampff, Bruno Liebrucks, Julius Jakob Schaaf, Josef Simon.

Der mir von allen liebste, Akademischer Rat Norbert Altwicker, lebt, wie ich 2006 feststellte, als über Achtzigjähriger im Ruhestand in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Ich dankte ihm anno 2006 (halb im Scherz) brieflich dafür, dass er mir vierzig Jahre zuvor, 1966, einen von ihm verfassten Aufsatz über den Pragmatismus in den USA (mit persönlicher Widmung) geschenkt hatte. Altwicker  antwortete brieflich, erfreut über dieses Eingedenken. 

Damals war er noch Mitglied des Jesuitenordens 

Ebenso freute sich der vielfache und auch im Alter immer noch tätige Buch-Autor und zeitweilige Beck-Verlag-Lektor Günther Schiwy über ein schriftliches Erinnern von MIR, dem einstigen Co-Adorniten.

Schiwy war in jener (von ihm und mir erlebten) Frankfurter Zeit Mitglied des Jesuitenordens; er kam damals aus der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen (zwischen Frankfurt und Offenbach) regelmäßig an die Frankfurter Uni  zu Adornos Seminaren.

Ebenfalls mit mir im Seminar bei Adorno

Mehrere Bücher des Schriftstellers Wolf Wondratschek befanden sich bisher ebenfalls in meinem Bücher-Regal "Frühere Bekannte“.

Wolf Wondratschek, Jahrgang 1944 (wie ich), saß mit mir im Seminar bei Adorno und fiel mir damals (er war noch nicht Buch-Autor) durch sein schönes, leicht „romantisches“ Gesicht auf, durch einen kühlen, aufmerksamen Blick und die dunkle Brillenfassung und den meist weißen Rollkragenpullover.

Wondratschek begann in jener Zeit zu veröffentlichen und tut es bis heute. (Seine Texte bleiben mir fremd, aber, muss ich gestehen, mir ist Belletristik sowieso oft  fremd - smiley)

Zwei Romane, vor Jahrzehnten veröffentlicht - 

danach war wohl Schluss mit der Autorschaft

Zwei Romane des Schriftstellers (und einstigen Adorniten) Peter Schalmey werden jetzt ebenfalls in die „reguläre Belletristik“ einsortiert. Schalmey besuchte mich mal vor vierzig Jahren in meinem Zimmer im Studentenhaus. Ich konnte mit meinen Internet-Recherchen nicht  in Erfahrung bringen, was aus ihm beruflich wurde. Ich vermute, Schalmey hat das Schriftstellern aufgegeben. Die Bücher-Website "Antiquario" weist im August 2006 nicht MEHR Veröffentlichungen auf als eben jene zwei Romane, die ich von ihm besitze und die 1977 und 79 erschienen, immerhin bei Hanser, München. (Die belletristischen Texte Schalmeys blieben mir, wie die von Wondratschek, fremd). – Schalmey zog irgendwann von Frankfurt nach München um.

Ein Philosoph, der über Mickey-Mouse so gut wie Bescheid weiß

wie über Wittgenstein

Arno Müller, Probleme der behavioristischen Semiotik, Dissertation, 1970 –

angefertigt und akzeptiert von den Doktorvätern Habermas und Schaaf.  – Auch dieses Buch kommt jetzt unter „Philosophie allgemein“.

Arno Müller war neben Klaus Erbrich mein engster studentischer Bekannter in Frankfurt aus der Vor-„68“-Zeit. Er wurde später Professor an einer Fachhochschule in Frankfurt (dürfte aber inzwischen emeritiert sein) und er fand damals eine hübsche Frau, Geigerin an der Frankfurter Oper. - Er ist amüsiert, wenn ich ihn anrufe (was ich vor einigen Jahren tat), aber ein INTERESSE an der Pflege eines Kontakts hat er nicht.

Über Arno vermerkte ich in meinen "Erinnerungen": Arno konnte Mickymaus-Geschichten unter philosophischen oder sozialwissenschaftlichen Aspekten witzig analysieren und schrieb darüber auf meine Bitte  für die Frankfurter Studentenzeitung, in der Zeit, in der ich „Diskus“- Mitherausgeber war.  – Über diesen Internet-Aufsatz bin ich im Frühjahr 09 (also vierzig Jahre  später) mit einem einstigen Freund  Arnos bekannt geworden, der heute in Maintal lebt; er war bald zehn Jahre jünger als Arno und nennt Arno mir gegenüber einen „väterlichen Freund“ und einen „Universalgelehrten“.

Anscheinend alles erreicht - dann aus dem Leben geschieden

Dieter Leisegang: Die drei Potenzen der Relation, Heiderhoff-Verlag, 1969.

Leisegangs Dissertation an der Uni Frankfurt wurde betreut von den Doktorvätern Schaaf und Adorno. Adorno erlag in seinem Schweizer Ferienort kurz nach der mündlichen Prüfung Leisegangs einem Herzinfarkt. -  Uli und ich waren zu diesem Zeitpunkt mit unserem Freund Reinhold Ertle in dessen winzigem Morris Mini in der Bretagne unterwegs.

Von Leisegang besitze ich auch einen Band Gedichte und kurze poetische Texte, unter dem Titel "Lauter letzte Worte" herausgegeben 1968, wiederaufgelegt 1971 und erneut nach dem Freitod Leisegangs 1973, vermutlich dann erst unter dem genannten Titel, herausgegeben von dem Rundfunk-Redakteur, Musil-Spezialisten  und vielfältig tätigen Schriftsteller Karl Corino. - Über Leisegang notierte ich in meinen Erinnerungen: "Wenigstens drei meiner Studienfreunde beendeten ihr Leben selbst, als junge Menschen. - Zu ihnen gehörte der brilliante Dieter L.. Er stammte aus einer Familie von Künstlern und Philosophieprofessoren. Er hatte mit Bravour promoviert und sich sogar bereits habilitiert, also für eine Professorentätigkeit qualifiziert; er hielt bereits 1970 Vorlesungen in Südafrika und Kalifornien. Er schrieb schöne Gedichte und spielte gut Klavier; er war verheiratet mit einer schönen, klugen Frau mit  überaus angenehmen Umgangsformen; er hatte einen sympathischen  Sohn. Ein halbes Jahr nach Abschluss des Habilitationsverfahrens, also nach dem Erreichen des höchsten akademischen Abschlusses, mit der denkbar besten Note, setzte er 1973, als 30jähriger, seinem Leben ein Ende.“

Wirtschaftswissenschaftler und Stefan-George-Verehrer 

Aus der Studentenbewegungszeit datiert meine nun schon über vier Jahrzehnte währende Bekanntschaft mit Dr. Dr. Bertram Schefold, später jahrzehntelang Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Frankfurt.

Von ihm besitze ich eine ganze Reihe Bücher, unter anderem seine zweite Dissertation, eine wirtschaftswissenschaftliche Arbeit, verfasst an der Uni Cambridge, erschienen bei Suhrkamp, des weiteren "Die Grenzen der Atomwirtschaft" (zusammen mit Klaus Michael Meyer-Abich) und die zweibändige (Suhrkamp-)Aufsatzsammlung "Wirtschaftsstile".

Dass ich mit Bertram Schefold verwandt bin, habe ich in meinen "Erinnerungen" notiert; ich erfuhr von dieser weitläufigen Verwandtheit auf kuriose Art im Jahr 1968 zu mitternächtlicher Stunde in einer Marburger Kneipe. Damals trafen sich Vorstandsmitglieder des Schweizer Studentenverbandes, voran dessen damaliger Präsident Dr. Bertram Schefold, und einige vom Deutschen Studentenverband angeforderte Studentenfunktionäre (darunter auch ich) ein Wochenende lang zu lockeren Gesprächen in Marburg. Den Schweizern sollte die aktuelle deutsche Studentenpolitik vermittelt werden. ICH war von meinem Frankfurter Studentenausschuss-Vorsitzenden Hans Jürgen Birkholz für dieses Treffen in Marburg abgeordnet worden. Nachts gegen 23 Uhr, nach einem Tag voller Diskussionen, unterhielt sich die etwa zwölfköpfige Gruppe zwanglos in einem Marburger Gasthaus über alles mögliche. Man stellte sich auch gegenseitig vor. Der Schweizer Studentenverbandspräsident flachste, als er von meiner schwäbischen Herkunft hörte: „Ja, auch ich  bin eigentlich Schwabe.“ Ich daraufhin, forsch - scherzhaft: "Eigentlich sind alle Schwaben miteinander verwandt." Woher denn seine schwäbische Verwandtschaft stamme?  Antwort: "Aus dem Raum Ulm"  - Dann ergab sich rasch, dass wir, Bertram und ich, über meine Urgroßmutter „Boppile Beppold“ (ca. 1850 – 1925) und einen ihrer Brüder verwandt sind. 

Bertram, geboren 1943, ist seit Jahrzehnten Professor für Wirtschaftstheorie in Frankfurt. - Er hatte jung in Basel in Mathematik diplomiert, dann in Cambridge in Wirtschaftswissenschaften promoviert (bei damals international berühmten linken Ökonomen, u. a. Sraffa) und hat inzwischen fast zahllose  Bücher und Aufsätze veröffentlicht. In unserer Frankfurter Zeit besuchten Uli und ich die damals junge Familie Schefold einige Male in deren Haus an der Hynsperg-Straße, nicht weit entfernt von unserer Wohnung.

Bertram hat als vom Vater überkommenes "Pflicht-Erbe" den Vorsitz der deutschen George-Gesellschaft übernommen, mit Sitz in Bingen, dem Geburtsort von Stefan George. - Bertrams Vater gehörte zum Kreis der Verehrer dieses seltsamen Dichters.

Vater Karl Schefold ist erst vor einigen Jahren mit über neunzig Jahren gestorben. Bertram schickte mir die Gedenkschrift, die die drei Söhne, alle drei  Uni-Professoren, über ihren Vater nach dessen Ableben verfassten und drucken ließen.

Der Beau im Sozialdemokratischen Hochschulbund

Lutz Unterseher, Arbeitsvertrag und innerbetriebliche Herrschaft – eine historische Untersuchung, Europäische Verlagsanstalt 1969.  Das war, wenn ich mich recht erinnere, Untersehers Dissertation. Ich erhielt mein jetzt umsortiertes Exemplar von Lutz Unterseher gewidmet.

Unterseher war, könnte man scherzen,  der Beau im damaligen Frankfurter “Sozialdemokratischen Hochschulbund“:  immer mit Jacke, Krawatte, Hemd, Bügelfaltenhose, immer mit cooler Miene, coole Sprüche äußernd, süffisant lächelnd, leichtes Embonpoint. Mit seinem Auftreten hätte er auf die Seite des Klassenfeindes gepasst  (smiley).

Ich schaue im Internet nach: Es gibt derzeit einen einzigen Lutz Unterseher in Deutschland, in Berlin wohnend. – Im Internet finde ich einige biographische Notizen über ihn: "Lutz Unterseher untersucht die Problematik des Rüstungsbedarfs und seiner Bestimmung. Er legt am Beispiel von Projekten taktischer Kampfflugzeuge dar, wie in Europa wichtige Waffensysteme beschlossen und entwickelt werden.“ „Dr. Lutz Unterseher ist Politikwissenschaftler und Soziologe, international tätiger Politikberater in Fragen der Streitkräfteplanung, Lehrtätigkeit an den Universitäten Münster und Osnabrück sowie an Militärakademien". –„ Dr. Lutz Unterseher... is personal advisor to the Social Democratic rapporteur on the defense budget in the German Bundestag and has been a visiting lecturer and consultant with the Austrian Army, the Federal German Army, and the British Army's Sandhurst Academy. His most recent books are, with Völker Kroning and Günter Verheugen (Hrsg.), Defensive und Intervention: Die Zukunft Vertrauensbildender Verteidigung (1998), and in English, Confidence-Building Defense: A Comprehensive Approach to Security & Stability in the New Era, with Carl Conetta and Charles Knight (1994). Formerly Dr. Unterseher was a personal assistant to the Federal Minister for Research and Technology and head of the Organization Studies Department of the Institute for Applied Social Research, Bonn."

Charismatiker im SHB, inzwischen wohl Mitglied der "Toskana-Fraktion"

Vom einstigen Frankfurter SHB-Vorsitzenden Konrad („Conny“) Schacht besitze ich das von ihm mitherausgegebene Büchlein "Protestwähler und Wahlverweigerer" (1992). Konrad Schacht ist oder war bis vor kurzem Ministerialdirigent oder Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium; zuvor war er Leiter der Landeszentrale für politische Bildung. Seinen ersten wichtigen Sprung in die höhere Politik tat er als persönlicher Referent des im Sommer 2006 verstorbenen einstigen hessischen Ministerpräsidenten Holger Börner.

Telefonisch erzählte mir Konrad, er sei von dem oberschwäbischen Schriftsteller Martin Walser in einem seiner Romane gut erkennbar porträtiert. 

Seinen Ruhestand möchte der Genussmensch "Conny" in Italien verbringen. "Toskana" passt zu dem einstigen charismatischen Chef des Frankfurter SHB und Sohn eines nordhessischen Schulrektoren-Ehepaars. Conny hatte wohl immer interessante und gut bezahlte Berufe;  als Autor trat er aber, wenn ich recht weiß, nicht groß in Erscheinung.  

Er begann spät mit Bücher-Schreiben – und erhielt beste Rezensionen 

Ein Autor, den ich ebenfalls aus Frankfurt kenne, der sich aber damals (anders als viele meiner damaligen Bekannten) NICHT  politisch engagierte, war Claus Süßenberger.

Von ihm besitze ich zwei Sammelbände mit Aufsätzen über ungewöhnliche Personen des Zeitraums 1550 / 1800 und einen Roman.

Über Süßenberger notierte ich in meinen Erinnerungen: Er hat nach Jahrzehnten der Tätigkeit als Studienrat für Französisch und Geschichte in einer Taunus-Gemeinde zwei brillante Essaybände verfasst (er erhielt dafür auch begeisterte Besprechungen), außerdem  einen historischen Roman unter (leicht entschlüsselbarem) Pseudonym, einen Roman, der im 18. Jahrhundert spielt. Hauptfigur ist der berühmte Scharlatan Cagliostro.

Claus Süßenberger wohnte im selben Flur des Frankfurter Studentenhauses wie ich, er heiratete 1969 eine Mitstudentin aus dem Studentenheim, deren Vater in Dijon eine Textilfabrik besaß. Claus bat damals einige Frankfurter Mitstudenten, darunter mich, bei der Trauung in der Heimat seiner Frau in Dijon  den Trauzeugen zu spielen. Die Fahrt nach Dijon war einer der ersten großen Ausflüge meines Lebens (dabei dauerte dieser Ausflug  nur zwei oder drei Tage). - Ein  Briefwechsel mit C. Süßenberger, Jahrzehnte später, brach ab, vielleicht, weil ich Claus‘ Wunsch nach einer Besprechung seines Romans nicht erfüllte (leider: nicht erfüllen KONNTE, weil ich nicht den Zugang zum entsprechenden Medium besaß). 

Eine blinde Ägypterin berät junge deutsche Türkinnen

Ebenfalls aus dem Studentenheim bekannt war mir Mounira Daoud-Harms. Von ihr besitze ich ihre als Buch im Campus-Verlag erschienene Dissertation "Blindheit - zur psychischen Entwicklung körpergeschädigter Menschen", 1986. - Mounira Daoud, mit mir etwa gleichaltrig, kam aus einer ägyptischen Industriellenfamilie; ihr Vater hatte in Italien Elektrotechnik studiert und stellte dann in Kairo Elektrogeräte her; er schickte seine blinde Tochter als vielleicht zehnjährige Anfang / Mitte der 50er Jahre nach Deutschland, genauer: nach Marburg, ans dortige Blindengymnasium.

Für das kleine Mädchen aus fremdem Land mit anderer Sprache und fremder Kultur war der Aufenthalt in dem fremden Deutschland, tausende Kilometer von der Heimat entfernt, zunächst sehr hart.

Mounira absolvierte in Marburg das Gymnasium und studierte nach dem Abitur in Marburg und dann in Frankfurt. Hier wohnte sie wie ich im Studentenheim direkt an der Uni. Derzeit (2004) arbeitet sie bei der Integration von Ausländerkindern in Frankfurt und Umgebung. – Mounira hat meine Frau und mich  Anfang der Achtziger Jahre in Ehingen besucht.

Ein liebenswürdiger Träumer

Jüngeren Datums (1998) ist meine Bekanntschaft mit dem Autor Wilhelm Bleddin (real: Friedrich Gand). - Der Sohn aus einer evangelischen Pfarrersfamilie in der DDR flüchtete als junger Mann  in den Westen, studierte und promovierte in Tübingen und ist seitdem (vermutlich muss es inzwischen heißen: er WAR seitdem) Studienrat für Geschichte an einem Gymnasium im Großraum Tübingen-Stuttgart. Er hat eine ganze Reihe Kinderbücher, Gedichtbände, Bücher mit Erzählungen, Aphorismen, Kurzgeschichten und historischen Sachbüchern veröffentlicht.

Ich lernte "Bleddin" bei einem Künstler-Flohmarkt in der Halle des Dorfes Lauterach (10 km von Ehingen) kennen. Über ihn notierte ich in meinen Erinnerungen: „Mit Bleddin wechselte ich einige Jahre lang Briefe. Leider versandete der Briefwechsel. Ein Grund war vermutlich, dass die Briefe von ihm wie von mir immer UNpersönlich blieben.“

Von der Provinzzeitung zum Münchner "Focus" 

In den Bücher-Bereich "Vorderer Orient" verschoben wird jetzt Hartmut Kistenfegers Buch „Maghreb-Union und Golfrat – Regionale Kooperation in der arabischen Welt“, 1994 (zugrunde lag diesem Buch die Magisterarbeit des Autors). 

Hartmut  Kistenfeger war, während seiner Gymmi-Zeit Ende der 70er Jahre, der erste von MIR ausgewählte  Freie Mitarbeiter der damaligen „Schwäbischen Zeitung Ehingen“ und als solcher zuständig für die Nachbarstadt Munderkingen. Er war einer der ersten Redakteure, die Anfang der Neunziger Jahre von  der damals neugegründeten Wochenzeitung "Focus" eingestellt wurden. 

Eine Frau bekennt in Gedichtbänden ihr Männer-Ideal per Foto

Eher Kuriosa sind die Gedichtbände einer Frau, die ein Vierteljahr in den 9oern bei uns, d.h., b der Schwäbischen Zeitung Ehingen, beschäftigt war. Sie hat ihre Gedicht-Bücher im Eigenverlag  drucken lassen und  sie mit Fotos von Männern geschmückt, deren Ausdruck ich als, vorsichtig formuliert: sehr sehr jugendlich  empfand. - – Frau X. verließ uns bald wieder und arbeitete dann als Journalistin in ihrer Heimatstadt im Allgäu. Später versuchte sie, per Rechtsanwalt und Gerichts-Androhung von mir ein Zeugnis ihrer Vorstellung  zu erzwingen. Ich hatte damals die Empfindung: Verdammtes deutsches Recht, das sogar einen - eigentlich der Wahrheit verpflichteten - Journalisten (wie mich) dazu zwingen kann, die UNwahrheit zu schreiben!! 

Dem fremden Land Bulgarien „verfallen“ 

Ebenfalls von einem früheren Redakteur, Christian Geiselmann, stammt ein weiteres Buch in meinem Besitz: Geiselmanns 230seitige Magisterarbeit "Politisches Leben in der bulgarischen Dorfgesellschaft 1919 – 1944 – Am Beispiel der Memoiren des Sefan Rajkov aus Vaglevci", Uni München 2001. – Geiselmann und ich korrespondieren immer wieder mal per e-mail. Derzeit ist der vielsprachige Mann erneut in Bulgarien tätig, im Auftrag der EU, und er will  die Rolle der orthodoxen Geistlichen in osteuropäischen Nach-„Wende“-Gesellschaften untersuchen.

Ein Entwicklungshilfeprojekt der Familie Feger endet mit einem frühen Tod 

Schwer fällt mir die Verschiebung  einer dicken, vervielfältigten und gebundenen  Analyse der Möglichkeiten einer "standortgerechten und agroindustriellen Entwicklung der Nordost-Region Haitis" Eschborn – Heidelberg 1986. – Dieses Exposé war angefertigt worden, damit unser langjähriger haitianischer Schützling Bellande Silvain öffentliche Zuschüsse für ein großes  Entwicklungsprojekt in seinem Heimatland erhält. Gefördert von der Familie Feger, von Uli und mir, dann aber vor allem von meiner Mutter, über viele Jahre hin, war Bellande Silvain aufgrund dieser generösen Förderung der bisher wohl einzige Chemie-Ingenieur in der Geschichte Haitis geworden. Die schwierige politische Situation in dem Inselstaat und Silvains Tod durch Magenkrebs Mitte der 90er Jahre verunsinnigten die caritativ gemeinten „Investitionen" der Familie Feger. 

Vom Bestattersohn und katholischen Theologen zum Frauen-Nachahmer 

Aus der Feder von "Frl. Wommy Wonder“ stammt das Büchlein „So als Mensch - Szenen aus einem kabarettistischen Travestival" (1989). Autor ist der Kabarettist Michael Panzer, der während seines Ehinger Altsprachen-Jahres (nach dem Abitur, vor dem Theologie- und Germanistik-Studium) Ende der 80er Jahre mein Mitarbeiter war und der NACH  dem Studium das Kabarett zum Hauptberuf machte.

Wommy und ich wechselten lange Zeit  Briefe.

Wommy scheint gute Erinnerungen an mich zu haben; er besuchte mich auch mehrfach in Ehingen. Anfang November 2007 feierte er mit einem großen Gala-Abend in Stuttgart seinen vierzigsten Geburtstag.

Bei den  Auftritten von „Wommy“ empfand ich,  sie/er wolle sich über das weibliche Geschlecht lustig machen. Als ich in einer Fernseh-Sendung über Wommy sah, mit welcher Liebe er seine Frauenkostüme näht und pflegt, kam mir der Gedanke: Er wäre GERN  eine Frau. Und er verwirklicht sich diesen Wunsch durch seine Auftritte in Frauenrollen und Frauenkleidern.

Antiquar und Poet 

Jüngeren Datums ist die Bekanntschaft mit dem Tübinger Autor Kay Borowsky. Er hütete grad, als ich ihn kennenlernte (2004), die Räume des berühmten Tübinger Antiquariats Heckenhauer. Ich schaute damals bei einem Tübingen-Trip nach Jahrzehnten mal wieder in jenes Antiquariat  ‘rein; es existierte ja schon zu meiner Tübinger Studentenzeit vierzig Jahre zuvor. Dieses Antiquariat war, wenn ich mich recht erinnere, auch jenes, in dem Hermann Hesse als Heranwachsender arbeitete.

Von Borowsky erwarb ich an jenem Tag das  Buch „In Tübi8ngen und drum herum“ und ließ es mir vom Autor gleich signieren: Das Buch enthält kurze Schilderungen von Wanderungen und Besichtigungen in Südwestdeutschland.

Borowsky hat etwa mein Alter. Er kam aus Posen ins Schwäbische, studierte etwa "zu meiner Zeit" in Tübingen, wo er zum ersten Mal so etwas wie Heimat erlebte (wie er mir sagte oder wie er irgendwo schreibt) und wo er seit der Studienzeit lebt.

Borowsky hat viel aus dem Russischen und Französischen ins Deutsche übersetzt und eine große Zahl Bücher, darunter Krimis, verfasst. Vom Äußern her passte er gut in ein Antiquariat; man konnte ihn sich gut als wiederauferstandenen „Poet in der Dachkammer“ vorstellen.

Der erfolgreichste deutsche Science-Fiction-Autor

Ebenfalls jüngeren Datums, aus der zweiten Hälfte der 90er Jahre, datiert  meine Bekanntschaft mit dem erfolgreichsten deutschen Science-Fiction-Schriftsteller der Gegenwart, Andreas Eschbach. Der Autor  verehrte mir im September 2004 sein "Buch von der Zukunft – ein Reiseführer", gerade frisch erschienen bei Rowohlt Berlin (Die Zentrale der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch lehnte meinen Rezensionsvorschlag ab, man habe  noch "genügend auf Halde liegen".  - Ich nehme an, dass diese „auf Halde liegenden“ Rezensionen kein Buch betrafen, dessen Autor zugleich erfolgreichster deutscher SF-Autor und zugleich OBERSCHWABE ist. So können REGIONALzeitungen ihre ureigensten Aufgaben und Themen vergessen.

Andreas Eschbach stammt aus dem sechs Kilometer von Ehingen entfernten Dorf Öpfingen und besuchte das Ehinger Gymnasium (inclusive Abitur). Über ihn notierte ich in meinen "Erinnerungen" unter anderem: Eschbach verfasste schon als 12-jähriger Phantasiegeschichten und tauschte sie mit einigen Klassenkameraden aus.

Als ich in den 90er Jahren erstmals von Eschbachs Autor-Erfolgen hörte, nahm ich an, seine Schriftstellerei sei "organisch" aus der Alltagsarbeit des Computer- und Informatik-Spezialisten erwachsen. Denkste! Es ereignete sich bei Eschbach ein fast existentieller Akt der Umorientierung, der dann zur Schriftstellerei führte (das stellt er auf seiner Homepage dar). -  Inzwischen hat ja sogar auch der Literaturteil der FAZ von dem „Unterhaltungsschriftsteller“ Eschbach Notiz genommen. Ich entdeckte bald nach Erscheinen von „Jesus-Video“ in einer Bücherrezensionen-Beilage der FAZ den bewundernden Text von Chefredakteur Schirrmacher über dieses eine Millionenauflage erreichende Buch aus der Feder Eschbachs. Ich veröffentlichte diesen Schirrmacher-Text in der Schwäbischen Zeitung Ehingen, quasi nach dem Motto: "vf proudly presents Schirrmacher on Eschbach").

Ich berichtete in der Ehinger SZ MEHRfach voll Lokalpatrioten-Stolz über den Erfolgsautor aus dem  Dorf Öpfingen, das zum Einzugsbereich meiner Zeitung gehörte.

Im Jahr 2004 erschien von Eschbach das eingangs erwähnte – meines Empfindens brilliantes -  Sachbuch über Zukunftsszenarien.

Dass ich es vom Autor mit einer Widmung zugeschickt bekam, nehme ich als Zeichen dafür, dass er sich über meine früheren Veröffentlichungen freute. - Inzwischen habe ich Eschbach auch persönlich erlebt, bei einer Lesung in seinem Heimatort Öpfingen.

Eschbach wohnt seit einigen  Jahren an der französischen Kanalküste. Auch zu der Lesung in Öpfingen (und einigen weiteren in zeitlichem Zusammenhang) kam er aus Frankreich angereist.  

Das persönliche Zeugnis eines verfolgten Juden - fünfzig Jahre später

Jizchak Schwersenz, Die versteckte Gruppe – Ein jüdischer Lehrer erinnert sich an Deutschland, Berlin 1988, Dritte Auflage 1988,

Das Buch enthält eine  Widmung durch den Verfasser, "Liebe deinen Nächsten – er ist wie du", deutsch und hebräisch, vom „22. November 1994“.

Auch dieses Buch sortiere ich jetzt um, in die Abteilung „Judentum“.

Ich hatte das Buch bei einer Lesung von Schwersenz in Ehingen im Jahr 1994 erworben und vom Autor signiert bekommen. Schwersenz erzählte an diesem Abend in Ehingen aus seinem Leben. Von seinen Erinnerungen an die Jahre im Untergrund in Berlin während NS-Zeit und Krieg war ich tief bewegt.  

Ein Paradiesvogel zwischen Guantanamo, Granheim und Rilkes Sterbe-Schloss

Alfred Maurice de Zayas, "Anmerkungen zur Vertreibung der Deutschen aus dem Osten", Kohlhammer-Verlag 1986, mit Widmung des Autors vom 6. September 1986.

De Zayas, ausgebildet in internationalem Recht und in Geschichtswissenschaft, war damals, Mitte der 80er Jahre, beim Hohen Kommissar der UN in Genf für rechtliche Fragen aus dem Bereich  Flucht und Vertreibung zuständig. Inzwischen scheint er Professor in den Niederlanden und in Genf zu sein, außerdem ist er Vorsitzender des Pen-Clubs der romanischen Schweiz. Er betreibt eine sehr bunte Website, reagiert aber kaum auf Einträge in sein Gästebuch.

De Zayas entstammt einem alten spanischen Hochadelsgeschlecht, ist aber in Kuba und den USA aufgewachsen und  sieht sich als Bürger der Vereinigten Staaten an. Er hat unter anderem auch in Deutschland studiert, in Tübingen und Göttingen. Vermutlich aus der Tübinger Verbindung (der er angehört und auf die ein Link auf seiner Website verweist) rührt die Bekanntschaft mit einem adelsstämmigen (einstigen) Rechtsanwalt aus dem Raum Ehingen (jetzt, wenn ich recht weiß, Gastwirt im Allgäu).  - Dieser Adelsstämmige  lud Zayas in den  80er Jahren auf sein Schloss in Granheim ein, zum gemeinsamen Jagen. Außerdem lud der Adelsstämmige  er zu einem Gespräch mit dem damals schon prominenten und doch noch jungen de Zayas  meinen Redakteur Wolfgang Schmid und mich ein.

Wir drei hatten ein höchst angenehmes, langes Gespräch.

Ich fotografierte dabei eifrig und schickte Alfred Maurice de Zayas Fotos, eines, wie er vor dem Granheimer Schloss steht (ich meine, eines dieser Fotos sei in der "Foto-Galerie" der  Zayas-Website enthalten).  Zayas bedankte sich  nach seinem Granheim-Trip für die Foto-Zusendung artigst und legte Texte bei, die er für die UN erarbeitet hatte.

Wenn ich jetzt (2006) seine Web-Site anschaue, erneut sich der Eindruck intensiver Buntheit (smiley), ein Eindruck, den ich so schon vor zwanzig Jahren hatte: Einerseits ein Mann, der  adels-stilgerecht  von der Großwildjagd in den Sümpfen Louisianas oder im Wald bei Granheim schwärmt, andererseits einer, der Rilke-Gedichte ins Spanische überträgt; einer, der nicht nur Analysen über Völkerrechtsverstöße formuliert (zum Genozid an den Armeniern, zur Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, zu den widerrechtlichen Inhaftierungen auf Guantanamo, letzteres sehr ehrenwert), sondern der auch Geschichten und Gedichte schreibt (in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch) und sie auf seiner Website präsentiert, ein Mann, der sich gern unter Schriftstellern bewegt, der in einem regionalen Pen-Club den Vorsitz übernimmt, einer, der  auf seiner Website anlässlich eines Besuchs der ungarischen Hauptstadt Budapest von ungarischen Weinen schwärmt und beim Anblick holländischer Windmühlen zu Tränen gerührt ist. Einer, der sein Ahnenwappen stolz auf seiner Website präsentiert, aber andererseits über sein Alter, seinen Werdegang, seinen Familienstand (verheiratet oder nicht, Kinder oder nicht) auf seiner sonst so redseligen Website NICHTS verrät. Einer, der auf seiner Website ein Link zur Homepage des radikalen  linken US-amerikanischen Philosophen und Soziologen Noam Chomsky setzt und andererseits ein Link zur Website des deutschen "revisionistischen" Historikers Nolte.

Ich wollte den obigen Text eigentlich an Herrn Zayas als kleinen PERSÖNLICHEN Gruß senden, konnte aber nicht seine postalische Adresse ermitteln. Daraufhin schrieb ich den Text in das „Gästebuch“ auf Zayas‘ Homepage. Dort war der Text einige Zeit nachlesbar. Eine Reaktion von Herrn de Zayas erhielt ich nicht, statt dessen wurden meine Überschriftworte „bunter Vogel“ auf einer RECHTEN  Homepage zitiert – zu meinem großen Ärger. Die Verantwortlichen für jene rechte Homepage konnte ich nicht auftun; die Macher wollten sich nicht zu ihrem Machwerk bekennen.  

Spezialist für die Themen „Buttenhäuser  Juden“

und „Reichsfinanzminister Erzberger“

Von dem Wirtschaftswissenschaftler und Historiker Günter Randecker aus Dettingen / Erms besitze ich seine kleine Schrift "Der gute Geist von Buttenhausen - Matthias Erzberger 1875 – 1921", Oberkirch 1992. Auch sie wird jetzt umsortiert.

Mit Randecker hatte ich viele Jahre zu tun: Ich warb regelmäßig in der Ehinger Schwäbischen Zeitung für seine Führungen durch das Lautertaldorf Buttenhausen auf den Spuren der dort einst lebenden jüdischen Menschen. Randecker ist auch Erzberger-Spezialist (Erzberger stammte ebenfalls aus dem Lautertal); Randecker  hat unter anderem eine deutschlandweit gezeigte Ausstellung über den einstigen Reichsfinanzminister erarbeitet.  

Hellmuth Haasis und die Rottenacker Separatisten

Hellmut Haasis – von diesem Autor besitze ich zahlreiche Bücher und Aufsätze. Besonders verbunden ist Haasis mir durch den von Haasis "entdeckten" und in seiner Reihe "Blauwolkengasse" herausgegebenen Text: Stephan Huber, Ein Volck wo FreiheitsLiebe brennt scheut nicht ThiranenMacht", 1993. - Stefan  Huber war ein armer, zugleich aber revolutionär gesinnter Weber in dem Dörflein Rottenacker nahe Ehingen. In Haasis Veröffentlichung über Stephan Huber steht: "Absatzförderung in Ehingen und Rottenacker: Veit Feger, Ehingen – Abrechnung: Filiale in der Hölle...." - Die Haasis’sche Re-Edtionen-Serie unterm Sammelnamen "Blauwolkengasse" war angekündigt als "verschüttete Freiheitsbibliothek aus der Zeit der deutschen Jakobiner, ausgegraben von Hellmut G. Haasis". –. Auch diesen Text sortiere ich jetzt um, in die Abteilung „deutsche Jakobiner“.

Zur Erläuterung noch: Die Rottenacker Separatisten, deren Wortführer jener besagte Stephan Huber war, sind inzwischen zu schon gerade weltgeschichtlichen Ehren erhoben. Nach ihrer Flucht aus Württemberg gründeten Rottenacker Separatisten in den USA eine zunächst prosperierende Siedlung mit Gemeineigentum, die Marx und Engels als Beweis für ihre These diente, dass eine sozialistisch verfasste Gemeinde Erfolg haben kann. 

Bei Haasis lernte ich, dass mein Traumberuf "Schriftsteller" meist die Bereitschaft zu einem bescheidenen Lebensstil fordert. Lobende Rezensionen für das  Buch eines Autors sagen nichts über die Höhe von dessen  Bankkonto.

Mit Hellmut Haasis verband mich über zwanzig Jahre lang ein herzlicher Kontakt. Haasis hat zeitweilig einige poetische Mini-Textlein von mir auf seine zweite Website „Wortgeburten“ gestellt. 

Ein Leuchtfeuer in meinem Leben

Der frühere Dächinger Bürgermeister und Ortsvorsteher Franz Holzmann starb im Frühjahr 2006 im Alter von 78 Jahren. Über zwei Jahrzehnte seines Lebens hat Holzmann der Erforschung und Würdigung eines bedeutenden Sohns seiner Heimatgemeinde Dächingen gewidmet und erweiterte diese Forscherarbeit dann um CARITATIVE  Aufgaben in Südamerika. Für die dort von ihm angeregten Einrichtungen der Stiehle-Fördergemeinschaft hat Holzmann über Jahre hinweg erstaunlich viele Spender gesucht und gefunden. - Holzmann hat das Leben des Dom-Erbauers Johannes Stiehle auch in Buchform gewürdigt.

Mit Holzmann und seiner Lebensarbeit verbindet sich für mich einiges, das zum Schönsten meines Berufslebens gehört. Ich hatte Holzmanns Forscherarbeit von Beginn an gefördert, publizistisch begleitet und die Arbeit dieses trotz enormer Leistungen immer ganz bescheiden gebliebenen  Mannes auf der Website der Stiehle-Fördergemeinschaft gewürdigt - gottseidank schon zu seinen LEBzeiten und nicht erst nach seinem Tod. (siehe dort „Nachwort“ auf http://www.bruderjohannesstiehle.de/htm/d/FrameDefinitionPage_deutsch.htm

Eine historisch höchst gebildete Oberschwäbin

Eine Ausgabe der Zeitschrift "Oberland – Kultur – Geschichte – Natur – Beiträge aus Oberschwaben und dem Allgäu", Heft 2 1994, wurde mir übereignet von Dr. Irene Pill, der damaligen leitenden Archivarin des Landkreises Ravensburg, aufgewachsen in SCHELKLINGEN  bei Ehingen. – Nach einer Reihe von Jahren auf diesem begehrten Ravensburger Posten, auf den sie aus Hunderten Kandidaten gewählt worden war, gab sie ihren "Orchideen-Job" auf. Sie hat, scheint es, wieder eine ähnliche Position gefunden, in der Schweiz.

Philosophin und Pornographin 

Barbara Sichtermann und Ingo Rose, Männer am Rande des Nerven­zusammenbruchs, Frühjahr 2006. –

Dieses Buch hat mir die Autorin kurz nach dessen Erscheinen zugeeignet, als Dank für einen Verehrungsbrief, den ich ihr damals geschrieben hatte, meine ZWEITEN zweiten Verehrungsbrief; den ersten, etwa zehn Jahren zuvor beantwortete Barbara Sichtermann ebenfalls handschriftlich und liebenswürdig. – 

Barbara Sichtermann ist eine ungewöhnliche Autorin: Sie schrieb zwei Jahrzehnte lang zum Teil höchst philosophische, ungeheuer gebildete Texte vorwiegend im Themen-Bereich "Mann - Frau" (aber auch über „Kindererziehung“), dazu regelmäßig jede Woche über viele Jahre hin Fernsehkritiken in der ZEIT. Dann, sie war schon fünfzig und drüber, folgten aus ihrer Feder deftige erotische (besser: pornographische) Romane, deren ersten, "Vicky Victory“, ich  hinreißend witzig und souverän empfand ("souverän", wenn man bedenkt, dass der Autor nicht ein Mann, sondern eine FRAU ist.)

Dass es sich hier  um Pornos handelt, steht auf keinem Klappentext, und auch kein Rezensent vermerkt es.

In einem ihrer jüngsten Bücher, oben erwähnt,  befasst sich die Autorin mit Problemen junger Leute beim Erwachsenwerden. Sie verarbeitet dabei auch Erfahrungen, die sie mit von ihr adoptierten Kindern gewann.   

Die Shakespeare-Kennerin wollte nicht kritisiert sein

Stephanie Cowell, Sonette der Liebe, Ein Shakespeare-Roman, engl. 1997, dt. 1999, von mir erworben 2004. Auch dieses Buch wird jetzt umsortiert.

Ich ärgerte mich bei der Lektüre des Buchs über eine darin vorgetragene Wertung.   Shakespeare wird als Homo dargestellt und zugleich als trotz aller Homosexualität von Gewissensbissen FREIER Christ. Die Kopplung der beiden Eigenschaften „Homo“ und „Gutes Gewissen“ schien mir höchst unwahrscheinlich für eine Zeit, in der Homos üblicherweise als Scheusale galten und oft unter Folterqualen hingerichtet wurden, eine Zeit, aus der wir null persönliche bekennende Zeugnisse von Homosexualität haben – aus gutem Grund. Eine Zeit, von der uns Homosexualität nur als Inhalt von Prozessprotokollen und Kirchlichen Predigten bekannt ist.

Ich schrieb der Autorin in die USA. Frau Cowell reagierte auf meine  kritische Nachfrage ärgerlich und dann, auf einen weiteren Brief von mir, überhaupt nicht mehr.

Mein Eindruck, wie des öfteren: Autoren sind exzessiv eitel und sehr empfindlich.

Dabei ist Autorschaft üblicherweise ein sehr freier Akt; die Autorin hatte sich wie die meisten ihresgleichen  unaufgefordert "aus dem Fenster gelehnt". 

Die Erotica-Autorin sendet mir ihr "Taboo" 

Die amerikanische Erotica-Autorin Susan Johnson wurde von mir Mitte der 90er Jahre  mit einem bewundernden Brief bedacht. Sie antwortete sehr freundlich (im Dezember 1996) und schickte  mir sogar aus den USA einen  ihrer Romane. Sie entschuldigte sich für nicht genügende Deutsch-Kenntnisse. Ich hingegen empfand, nicht über so  gute ENGLISCH-Kenntnisse zu verfügen, um ihr einen merkwürdigen Topos ihrer Romane in witzigem Ton vorzuhalten (smiley). - Ich kaufte im Lauf von etwa fünf Jahren, zwischen 1996 und 2001, acht ihrer saftigen historischen Pornos,  alle ins Deutsche übersetzt und bei Heyne verlegt. Die Autorin erweist sich in diesen Romanen als überaus gebildet. Die meisten ihrer Romane sind am Schluss mit Erläuterungen zum geschichtlichen Hintergrund versehen, Notate, aus denen klar hervorgeht, dass die Autorin über sehr gute historische Kenntnisse verfügt (was man bei einer Porno-Autorin ja nicht unbedingt vermutet). Zum Teil suchte Susan Johnson vor der Niederschrift eines Romans jene Gegend auf, in der dieser Roman handeln soll. Unter anderem besuchte sie für einen Roman (angesiedelt in der Zeit der Koalitionskriege gegen Napoleon) die Nordostschweiz und Vorarlberg.

Die TITEL  ihrer Romane ähneln sich alle und werden wohl immer vom deutschen Verlag (Heyne) kreiert. Sie lauten "Funkelnde Leidenschaft" (USA 1986, Dt. 1998) "Atemlose Leidenschaft" (USA 1997, Dt 1999; amerikanischer Titel: "Taboo", mir von der Autorin verehrt), "Leidenschaftliche Lady" (USA 1999, Dt 2001), "Zügel der Leidenschaft" (USA 95, Dt 1997), "Drei Tage voller Leidenschaft" (USA 1978, Dt. 1998; S. Johnsons erster Erotik-Roman), "Im Bann der Leidenschaft" (1981 / 1999, "Von Venus verführt" (2000/ 2001, Originaltitel "Legendary Lover"), "Flehende Leidenschaft" (1993/1997). 

In allen Romanen ist folgender Topos zentral: Die weibliche Hauptfigur wird von ihrem sinnlichen Begehren geradezu überwältigt; sie begehrt einen Helden, obwohl ihr Verstand oder ihre Erziehung oder ihre sonstigen Empfindungen GEGEN ein körperliches Begehren gerade dieses „Objekts der Begierde“ sprechen.  – Noch ein wiederkehrendes Stil-Element: Mann und Frau spotten in der Situation der Erregtheit gegenseitig über die jeweilige Abhängigkeit von ihrem intensiv als körperbedingt empfundenen Begehren und damit vom jeweiligen Partner,  ein Spott-Verhalten, das ich als un-chevaleresk empfinde, egal, ob es von der Frau oder vom Mann ausgeht.

Ich fragte mich: Beruht der bei so beliebte Topos "mein Körper begehrt heftig einen anderen Menschen,  gegen Argumente meiner Vernunft“ auf  Erfahrungen oder ist das ein Wunschtraum der Autorin. 

Ein Ravensburger Humorist mit Ehinger Wurzeln

VERWANDTSCHAFTLICHEN Hintergrund hat der Besitz dreier Bücher des Ravensburger Humoristen und Kabarettisten Manfred Hepperle: Mit ihm bin ich über den Ravensburger Bürgermeister  Hans Mantz (einen Großonkel mütterlicherseits) verwandt.

Den Kabarettisten Hepperle habe ich bei einem Auftritt in der Ehinger Gymnasiumsaula vor Jahren erlebt. Obwohl betagt, tritt er immer noch auf, sogar außerhalb Ravensburgs, und jetzt, im November 2007 (während ich diese Notizen überarbeite) auch erneut in Ehingen.

Ich gestehe, ich  habe Probleme mit Kabarettisten, die sich über die Provinzialität von Provinzlern lustig machen. 

Von der südafrikanischen Befreiungsbewegung ins Seminar bei Ernst Bloch

Beim Sortieren finde ich weitere Bücher, deren Autoren ich kannte. Da ist beispielsweise der Ernst-Bloch-Schüler Franz John Tennyson Lee aus Südafrika, als junger Mann engagiert  in der südafrikanischen Befreiungsbewegung, später Student in Deutschland und seit Ende der 70er Jahre Professor in Venezuela (zudem Betreiber einer riesigen Website in drei Sprachen). Ich kannte Lee aus dem Tübinger Seminar bei Ernst Bloch und später aus dem Frankfurter philosophischen und soziologischen Seminar. Er war wie ich von der Uni Tübingen an die Uni Frankfurt gewechselt. - Ich versuchte im Jahr 2006, ihn anzumailen, aber der Mail-Kontakte funktionierte nicht. Den freundlichen Gruß-Text schickte ich dann auch als BRIEF, ob er  je zum Adressaten kam, weiß ich nicht.

Einer der ersten  Frankfurter Achtundsechziger, die  auf die „Gegenseite“ wechselten 

Von Michael Schwarze besitze ich den Suhrkamp-Band "Weihnachten ohne Fernsehen – Kulturpolitische Essays, Glossen, Porträts. Mit einem Nachwort von Joachim Fest", dem einstigen FAZ-Herausgeber. – 240 Seiten, 1984.

Michael  Schwarz war „zu meiner Zeit“ (67/68) Mitglied im Sozialdemokratischen Hochschulbund und Mitglied der Diskus-Redaktion. Er war der erste von uns, dem der Aufstieg in die „Besseren Kreise“ gelang: Er gab zunächst die neugegründete, gewissermaßen "regierungsoffizielle" Studentenzeitung der Universität  Frankfurt heraus, gewissermaßen die  von „oben“ dominierte Konkurrenz zum linkslastigen "Diskus".  Von hier aus konnte er  in die FAZ "einsteigen". Noch nicht vierzigjährig starb er im Jahr 1984.

Freundliche Auskunft über eine ungewöhnliche Prinzessin 

Hier einige Angaben über eine Autorin, die ich in jüngerer Zeit kennenlernte, die Schriftstellerin Gabriele Loges aus Hettingen  bei Sigmaringen / Hohenzollern, Bibliothekarin in Gammertingen.

Ich lernte sie kennen bei einer Lesung während der Baden-württembergischen Literaturtage im Sommer 2004 in Ehingen und wechselte mit ihr einige Briefe. Ich schrieb ihr meine Bedenken zu  einem von ihr verfassten, autobiographisch fundierten Roman, den sie mir verehrt hatte.

Frau Loges erklärte mir per Mail, amüsiert,  sie habe einen (von ihrem Mann freundlich geduldeten) Harem wohlerzogener INTELLEKTUELLER Männer (also Männer, die ihr Interesse  an Frau Loges brav aufs Literarische einschränken). Ich selbst wollte nicht zum Harem der männlichen Intellektuellen gehören – smiley.

Fast zwei Jahre nach unserem Briefwechsel vom Sommer 04 wandte ich mich an Gabriele Loges mit Fragen, betreffend eine ungewöhnliche Fürstin von Hohenzollern. Ich wusste, dass Frau Loges in Volkshochschulen Vorträge über diese Prinzessin hält. Diese Prinzessin verließ als jungvermählte Frau und gerade erst Mutter geworden ihren hohenzollerschen Ehemann und kehrte in die Stadt ihrer Kinder- und ersten Jugendjahre zurück, nach Paris. Ihre Untreue hatte später einen enormen Vorteil für ihren Ehemann und ihren Sohn: Prinzessin Zephyrine (so hieß sie) war in Paris befreundet mit Josephine Beauharnais und konnte auf diesem Umweg den damaligen Kaiser Napoleon  dazu bewegen, die hohenzollerischen Fürsten in Sigmaringen und Hechingen – ganz anders als ähnlich unbedeutende deutsche Potentaten – ihrer politischen Macht NICHT zu entkleiden; sondern weiterhin Herrn eines autonomen Ländchens  bleiben zu lassen, eines Ländchens, das sie sogar noch mit Napoleons Segen erweiterten, zum Ärger des frischgebackenen Königs von Württemberg und des frischgebackenen Erzherzogs von Baden. - Ihren Lebensabend verbrachte Zephyrine dann doch wieder in Hohenzollern. Warum? – dies scheint nicht zureichend bekannt. Indes, zum einen waren ihr Bruder und ihr Freund (der erste offizielle Ehemann von Josephine Beauharnais) von französischen Revolutionären guillotiniert worden. Diese Erfahrung  wird der Fürstin Zephyrine  die Stadt Paris doch etwas verleidet haben; zum anderen wollte Zephyrine nach vielen Jahren der Trennung auch wieder Kontakt mit ihrem beim Vater gebliebenen Sohn.

Frau Loges erinnerte sich an unseren Briefwechsel zwei Jahre zuvor und antwortete auf meine Frage zu Zephyrine freundlich und ausführlich. 

Aus einer „Werkstatt“ angehender Schriftsteller 

Eine ganze Reihe Poetae minores  kenne ich über meinen Freund Wolfgang Baumbast, der eine Zeitlang eine "Literaturwerkstatt" im benachbarten Biberach leitete. Die angehenden Literaten kamen früher öfters zum Feiern auch nach Ehingen in Baumbasts Wohnung und Garten; ich stieß manchmal zu ihnen. Dichten war für diesen Kreis  eine Art Psychotherapie. - Die Dichter haben eine Reihe ihrer poetischen Texte als Buch (oder: Bücher) herausgebracht. Auch bei dieser Editionsarbeit  war Wolfgang Baumbast engagiert. Inzwischen (2008) ist er mit einem größeren Ratgeber-Buch  an die Öffentlichkeit getreten, „Der Alpha-Quotient“. -  Wolfgang   war viele Jahre lang mein Zufluchtsort an einsamen  Abenden.

Ein Krimi-Autor und Verfasser von Volkstheaterstücken 

Ein sehr erfolgreicher süddeutscher Volkstheater-Autor der 90er Jahre und Verfasser zahlreicher Krimis ist Walter G. Pfaus. Er lebte ein Jahrzehnt lang in dem Städtchen Schelklingen, wo er zusammen mit seiner Frau ein Schreibwarengeschäft führte. Inzwischen wohnt er im nahen Blaubeuren. -  W. Pfaus war uneitel, umgänglich, beinah ein "lustiger Vogel", sehr sympathisch war und ist seine Frau, die, wenn ich mich recht erinnere, aus unserer Ecke stammt.

Schriftsteller, die ihre Ehinger Gymmi-Zeit zum Roman-Thema machen 

Mehrere  Literaturpreise erhielt der aus Oberdischingen bei Ehingen stammende Schriftsteller Karl-Heinz Ott für seinen autobiographischen Text "Ins Offene" und inzwischen auch für weitere Veröffentlichungen. Ich „verriss“ den genannten Roman, als er frisch erschienen war. Mit meinem „Verriss“ (in einer Provinzzeitung) stand ich vermutlich allein. – Im Jahr 2008 trat Ott mit einem Sachbuch über Händel an die Öffentlichkeit.

Im Sommer 2004 erlebte ich Ott bei einer Lesung im Ehinger Museum, im Rahmen der vorhin genannten Literaturtage. 

Schüler am katholischen Ehinger Gymnasium

und später Autor eines Buchs über Aretino

Kritisiert habe ich vermutlich auch (ich weiß es nicht mehr genau) den zweiten Band einer autobiographischen Trilogie des Regensburger Romanistik-Professors Johannes Hösle. Dieser verbrachte einen großen Teil seiner Gymnasialzeit in den vierziger Jahren in  Ehingen und schildert   im zweiten Band seiner Trilogie Ehinger Jugend-Erlebnisse. Nach Ehingen war der junge Johannes aus dem Illertal-Dorf Erolzheim im östlichen Kreis Biberach gekommen. - Eine Kritik an dem Ehingen-bezogenen zweiten Trilogie-Band  "Und was wird jetzt? – Geschichte einer Jugend" (C. H. Beck, 2002) erschien gewagt, weil Hösles Buch in der FAZ in einem halbseitigen, also ungewöhnlich langen Text GEFEIERT  worden war. Und da mosert nun so ein kleiner Provinz-Journalist an einem solch hehren Werk rum.

Ich erlebte Hösle bei einer Lesung im Herbst 2005 im Ehinger einstigen Konvikt. Ich schrieb Hösle nach diesem Auftritt einen Brief; er antwortete freundlich und mit einem (trotz Krankheit) HANDgeschriebenen Brief.

Johannes Hösle erscheint mir als  ein souveräner Wissenschaftler, weil er keine Angst hatte, den (häufig verpönten und  beschwiegenen) italienischen Pornographen Aretino zum Thema eines Buchs zu machen. 

Der Kirchenkritiker findet Unterschlupf bei der Kirche 

Der Schriftsteller Josef Hoben, geboren 1954 am Bodensee und während der Gymnasialzeit eine Reihe von Jahren im Ehinger Internat St. Josef und im Konvikt, hat in einem Roman ebenfalls Erinnerungen an seine „Ehinger Zeit“ lebendig werden lassen. - Josef Hoben besuchte mich eines Tages in meinem Zeitungsbüro, wir unterhielten uns angenehm.

Hoben ist ein lieber Mensch, als Schriftsteller scheint er leider wenig Fortüne zu haben - was heute ja schon wegen der riesigen Menge Möchte-gern-Schriftsteller ein häufiges Schicksal vieler Autoren ist. – Josef Hoben fand einige Zeit im Ehinger Konvikt (einer Einrichtung der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart) ein Unterkommen. Hilfreich war hier ein einstiger Klassenkamerad. Dabei hatte der Schriftsteller in seinem autobiographischen Roman die katholische Kirche wegen ihrer Leibfeindlichkeit kritisiert. 

Eine einst skandalisierte AutorIN, die sich an Ehinger Gymnasialjahre erinnert

Ich habe vorstehend drei Autoren genannt, die sich mit literarischen Mitteln unter anderem an ihre Jugendzeit im Ehinger Gymnasium erinnern: Johannes Hösle, Karl-Heinz Ott, Josef Hoben. Ihnen ist noch die Schriftstellerin "Draginja Dorpat" anzufügen (siehe weiter unten). Alle diese vier an Jugendzeiten erinnernden Romane erschienen binnen weniger Jahre, zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Noch ein weiterer lebender Schriftsteller ging "aus dem Ehinger Gymnasium hervor", der oben bereits notierte Andreas Eschbach, der erfolgreichste von allen hier genannten Autoren; er aber erwähnt die Gymmi-Zeit nur kurz auf seiner Website, nicht in einem Roman. 

Kein Schüler, sondern ein Lehrer am Gymnasium

Woher schwäbische Wörter kommen, etwa das seltsame „Babbalare“ – das möchte mancher Sprach- und Schwäbisch-Freund wissen. - Mit der Aufhellung der Herkunft dieses und anderer schwäbischer Wörter hat sich ein (früherer) langjähriger Lehrer am Ehinger Gymnasium viel Mühe gemacht. Das Ergebnis vieljähriger Arbeit kulminiert in einem dicken Buch, dessen Herausgabe der Alb-Donau-Landrat sich angelegen sein ließ.  – Oberstudienrat Wax kenne ich nicht aus literarischen, journalistischen oder wissenschaftlichen „Situationen“, sondern vom häufigen gleichzeitigen Schwimmen im Ehinger Freibad.

Noch zu diesen grad erwähnten ominösen „Babbalaren“. – Hermann Wax deutet die Herkunft des Worts folgendermaßen: Es wurde von dörflichen Oberschichtlern, das heißt: den Pfarrern,   einst geringschätzig verwendet, gegen Unterschichtler, und  stammt von dem lateinischen „Populares“, womit im Alten Rom die Anti-Adelspartei gemeint war.

Schon oft erlebt: Ich schreibe einen Brief, erhalte aber keine Antwort 

Bei den Literaturtagen im Sommer 2004 in Ehingen lernte ich neben Frau Loges zwei weitere Schriftstellerinnen kennen. Ingeborg Bruns verehrte mir ihr Fischer-Taschenbuch "Als Vater aus dem Krieg heimkehrte – Töchter erinnern sich" und ein Buch über die Erinnerungen von Kindern jüdischer KZ-Überlebender. - Meine Briefe an sie blieben unbeantwortet.

„Mundart in der Zeitung“ – und „Tourismusprobleme im Allgäu“

Ich besitze seit längerem schon ein Buch von

Dieter Herz, "Mundart in der Zeitung", erschienen 1983, 180 Seiten,

vom Verfasser mir verehrt mit Widmung im November 1986.

Dieses Buch  wurde jetzt in meinen Bücher-Bereich „Zeitungswesen“ einsortiert.

Dieter Herz war damals, 1986, Redakteur der Schwäbischen Zeitung Ulm. Er ist inzwischen schon lang, schon fast seit der "Wende", Pressesprecher der sächsischen Landesregierung und dann des sächsischen Kultusministeriums und schickt mir jedes Jahr einen ungewöhnlich witzigen Neujahrsglückwunsch-Brief.

Anfang der Neunziger hat Herz noch promoviert, neben seiner Berufstätigkeit her. Er wandte sich zu diesem Behuf wieder an seine alte Alma Mater in Tübingen und schrieb seine Dissertation bei dem bekannten Tübinger Volkskundler Bausinger über  das „Verhältnis zwischen Einheimischen und Urlaubern in einem Oberallgäuer Fremdenverkehrsort“. Die Dissertation  erschien 1993 als Buch im für seine qualitativ hochwertigen Editionen  bekannten  Weißenhorner „Anton H. Konrad Verlag“.

Dieter Herz verehrte mir die Diss im Zusammenhang mit einer unerwarteten Begegnung im Herbst 2007. In Ehingen trafen sich damals Schul-Chöre und -Orchester aus Sachsen und Württemberg. Dieter Herz vertrat dabei zeitweilig seinen vorgesetzten Kultusminister. Er nutzte die Chance, bei einem alten Bekannten aus Redakteurszeiten, eben: bei mir, eine handschriftlich notierte Rede mittels Computer auszudrucken. Ich fragte ihn bei dieser Gelegenheit, wie er denn zu seinem „deutschen Vornamen“ („Dr.“) komme; ich hätte leider dazu im Internet nix gefunden.  - Darauf erhielt ich postwendend die im Anton-H-Konrad-Verlag erschienene Dissertation zugeschickt. 

Ein katholischer Pfarrer, der modern sein wollte

Der einstige Ehinger katholische Stadtpfarrer Dr. Christoph Keller war ein - seltener Fall: -  Intellektueller in der KATHOLISCHEN Kirche. Christoph  Keller hat eine ganze Reihe Büchlein mit Glossen und theologischen Traktaten veröffentlicht.

Mit Christoph Keller wechselte ich  nach seinem Weggang aus Ehingen  noch einige Briefe, insbesondere über die Sexualmoral der katholischen Kirche.

Keller verehrte mir unter anderem ein Buch seines einstigen theologischen Helden, Eugen Drewermann. (Damals war Drewermann noch nicht von seiner Kirche geschasst. Das kam noch.)

Weil ich Dr. Christoph Keller nach einem öffentlichen (nicht nach einem innerkirchlichen) Vortrag über Sexualmoral kritisiert hatte, wandten sich damals, in den beginnenden 80er Jahren ?,   zwei Ehinger Katholikinnen empört an die Zentrale der Schwäbischen Zeitung, woraufhin ich vom dortigen Chefredakteur  gerüffelt wurde. 

Ein Bankdirektor schreibt schwäbische Geschichten 

Erst als über fünfzigjähriger wurde der damalige Ehinger Bankdirektor Albin Beck (inzwischen schon ein Anfang-Siebziger) zu einem vergleichsweise heftigen Buchschreiber,  mit unterhaltsamen Gschichtla aus dem ländlichen Schwaben,  mit Mundarttexten etc.

Albin Beck ist beinahe mein Nachbar. Er weiß, dass ich mich als Zeitungs­verantwortlicher  für seine Texte nicht erwärmte, sie aber – aus Höflichkeit oder welchem Grund immer - nicht kritisierte. Glücklicherweise erhält Albin Beck  von ganz vielen Menschen begeisterte Zustimmung und ist ein gefragter Vorleser, landauf, landab, vor allem seit er als Ruheständler mehr Zeit hat. Beck genießt diese Tätigkeit.  Gesprächsweise sagte mir Albin Beck, ein Schreiber wolle selbstredend das, was er schreibe, auch VERÖFFENTLICHT sehen.  (Ich konnte ihm da, was MEINE Person betrifft, nur teilweise zustimmen.) 

Mein einziger Leser, der mich ermunterte  - und das oft….

Wenn es um Veröffentlichungen, Regionales betreffend, geht, muss ich den Ehinger Zimmerer-Polier Rudolf Schrodi, Jahrgang 1922, nennen. Er hat zwar bisher kein DICKES Buch veröffentlicht (wenn auch umfangreiche Erinnerungen NOTIERT) und er hat eine Reihe Broschüren veröffentlicht. Es wäre an der Zeit, zusätzlich seine allermeist  in der Ehinger Schwäbischen Zeitung „zu meiner Zeit“ veröffentlichten Erinnerungsaufsätze gesammelt in Buchform zu veröffentlichen. - Rudolf Schrodi hat ein unvergleichlich gutes Gedächtnis; er erinnert sich verblüffend genau  an seine Ehinger Kindheit in den zwanziger Jahren und an seine Jugend in den 30ern. Gewiss schönt Schrodi manches, aber wer wollte ihm das verdenken?!

Seit ich nach dem Studium wieder in Ehingen arbeitete, haben er und ich herzlichen Kontakt. Rudolf Schrodi machte mir viel Freude, weil er seine Erinnerungen lange Zeit nur in der Fegerschen SZ veröffentlichte und ebenso, weil er fast der einzige meiner Leser war, der mir für gute Texte aus MEINER Feder  ein herzliches, glaubhaft klingendes Lob schenkte – und das OFT! Ich schrieb einige meiner besten Zeitungstexte, indem ich mir Rudolf Schrodi als - vielleicht einzigen – Leser vorstellte. Ich schrieb gewissermaßen auf ihn zu.

Ein Autor, der so richtig erst im Ruhestand loslegt

Ihn darf ich nicht vergessen: Hans Albrecht Oehler, Haigerloch.

Der über Siebzigjährige leitete jahrzehntelang Goethe-Institute in mehreren Kontinenten. Als Ruheständler begann der hochgebildete Mann, vielfältig zu veröffentlichen, vor allem zur süddeutschen Kunst- und Literaturgeschichte.

Oehler stammt aus einer (gewissermaßen typischen) evangelischen Pfarrerfamilie Württembergs, mit interessanten Vorfahren, mit einer Mutter, die selbst mehrere Bücher schrieb und über die der Sohn Hans Albrecht als Senior ein Portrait verfasste.

Im Raum Ehingen richtete Oehler zwei Gedenkstätten für Schriftsteller ein: in Oberstadion für den berühmtesten deutschen Kinderbuchautor des 19. Jahrhunderts, Christoph von Schmid,  im Pfarrhaus Dieterskirch für den bedeutenden schwäbischen Mundartdichter Sebastian Sailer. Über beide Autoren hat Oehler auch Aufsätze veröffentlicht.

Über Oehlers Arbeit an den Mini-Museen kam ich in Kontakt mit ihm, schrieb über ihn; wir wechselten einige freundliche Briefe. Schon lang hat H. Oehler mich nach Haigerloch eingeladen, um mir die Stadt zu zeigen. 

Die Autorin eines libertinen Romans der  Sechziger Jahre

meldet sich 40 Jahre später erneut als Autorin

Erwähnt werden darf hier unter den mir bekannten Autorinnen und Autoren auch "Draginja Dorpat" und ihr Roman "Und zu Küssen kam es kaum – Roman einer Jugend", Tübingen 2003.

Die JETZT  über siebzigjährige Frau Knaak hatte in ihrer Jugend in den Vierzigern mehrere Jahre das Ehinger Gymnasium besucht, während sie im Dritten Reich und danach  bei ihrer Munderkinger Oma, einer Gastwirtin, wohnte.

In den 60er Jahren war Draginja Dorpat kurzzeitig ein Shooting Star der deutschen Literaturszene mit einem - für damalige Verhältnisse – libertinen Roman über ihre Tübinger Studentenzeit. Der Roman wurde damals von der Bundesprüfstelle indiziert. Der noch junge, aber schon national anerkannte Autor Martin Walser setzte sich mit Erfolg für die Autorin Dorpat ein. - Die – vorübergehende – Indizierung trug vermutlich zum Verkaufserfolg bei (60.000 Exemplare oder mehr wurden damals verkauft). - Nach diesem Erstlingserfolg verstummte „Draginja“, das heißt: Sie ließ sich nur noch - in begrenztem Umfang – und unter ihrem RICHTIGEN Namen als Verfasserin von Gesundheitsratgeber-Büchern hören.

Um das Pseudonym "Draginja Dorpat" wurde bei dem 2003 erschienen Roman über ihre Jugendjahre ein ziemliches Geheimnis gemacht, vermutlich, weil eine Reihe der in dem Roman porträtierten Personen noch lebte oder lebt. Das Geheimnis wurde aber gelüftet.

Ich selbst erlebte „Draginja“ im Fernsehen und bei einer Lesung in Biberach. Inzwischen hat sie auch in Ehingen selbst "gelesen".

Ich hörte sie in Biberach im Februar 04 lesen und berichtete darüber in der Ehinger Schwäbischen Zeitung unter der Überschrift „Einst ein Traum von erotischer Freiheit“.

Die Autorin schrieb mir danach u.a. folgendes:

„Mein alter Verleger in Hamburg hat mir seinerzeit eingeschärft, auf Kritiken nicht zu reagieren, ganz gleich, ob es sich um freundliche oder weniger freundliche handeln sollte. Wenn ich von diesem Grundsatz abweiche, dann nur, um einige Missverständnisse zu klären.. Der Kuppeleiparagraph gängelte eine Generation, deren Kindheit und Jugend von Elend und materieller Not bestimmt war. … Viele meiner Konsemester waren so arm wie ich und mussten in einem Ausmaß auf materielle Freuden verzichten, wie man sich das heute wohl nicht mehr vorstellen kann. Es ging nicht darum, möglichst problemlos mit möglichst vielen ’ins Bett zu hüpfen’, sondern darum,  Liebe leben zu dürfen, die Liebe zu einem Menschen bejahen zu dürfen, ohne diskriminiert oder kriminalisiert zu werden. ... Die „Ellenbogenspiele“ (sc.: Der erste Roman von Ruth Knaak, von dessen Reputation ihre vierzig Jahre spätere Veröffentlichung noch zehrte) stellten keinen ‚Wunschtraum’ dar, sondern eine Horrorvision. Ich ahnte, wohin das Pendel ausschlagen würde. Keine Person in diesem Besuch ist glücklich.“

Eine bisher nicht bekannte Love-Story des Reichsfinanzministers Erzberger 

Das für mich Interessanteste an Dorpat-Knaaks zweitem Roman „Und zu Küssen kam es kaum“ war die auf „Erzählungen der Großmama“ basierende Love-Story des einstigen Reichsfinanzministers und Chefs der KATHOLISCHEN Zentrumspartei Matthias Erzberger. Der damals schon berühmte verheiratete und mit Kindern versehene Politiker aus dem nahen Lautertal wäre (heißt es in dem Roman) wegen seiner Neigung zu einer Munderkinger Wirtin, eben der Großmutter von "Draginja", bereit gewesen, seine politische Karriere in Berlin an den Nagel zu hängen, so jedenfalls Dorpat. – Ich habe den Eindruck, dass dieses hier ERSTMALS öffentlich genannte, ungewöhnliche Detail des Erzberger-Lebens nirgendwo in der offiziellen Erzberger-Biographik angesprochen wird. Romanleser interessieren sich eben meist nicht für Jüngere Geschichte – und Erzberger-Historiker nicht für Lovestories - smiley. 

Ein Fachmann für schwäbische Redensarten 

Der in Griesingen wohnende Lehrer Ludwig Michael Dorner ist ein langjähriger Bekannter von mir und der EINZIGE Lehrer, der mich als Zeitungsmann während dreißig Jahren eingeladen hat, in seinen Unterricht zu kommen und mit seinen Schülern zu sprechen. Ludwig Dorner hat im Tübinger Silberburg-Verlag mindestens zwei größere Sammlungen mit "oberschwäbischen Sprüch‘ und Redensarten" herausgegeben, dazu ausführliche Erläuterungen ("It gschimpfd isch globt gnua". 1. Auflage 1992). Ludwig Dorner hat mir im Erscheinungsjahr ein Exemplar "herzlich zugeeignet". Inzwischen ist die Zeit leider über diese Bücher - wie über die meisten bisher erschienenen - hinweggeeilt. In einem Ulmer Buchladen fand ich 2006 noch einige verbilligte Exemplare. Es gilt eben im heutigen Buchhandel und Verlagswesen die Regel: Was älter als zwei drei Jahre auf dem Markt ist, gilt vielen potentiellen Käufern als nicht modern, nicht gut genug, wird also nicht mehr gekauft – und auch nicht mehr gedruckt. Diese Einschätzung vom Veralten guter Bücher - welch Irrtum!

Ludwig M. Dorner gibt seit Jahrzehnten eine eigene Monatszeitung des Ehinger SPD-Ortsvereins heraus, "Das rote Füchsle". Der Titel wurde in Anlehnung an ein Wort aus der Ehinger Zeitung von VOR dem ersten Weltkrieg gewählt: Damals wurde von meinem Opa die noch junge Ehinger SPD als bedrohlich hingestellt mit dem Satz "Der rote Fuchs geht um." 

Pfarrer, Romancier, Dichter, Schafhirt

Noch einen kräftigen Schritt in der privaten Buch-Geschichte zurück, mit einem Hinweis auf Benedikt Welser. Dieser Geistliche und Lehrer am Ehinger Gymnasium war ein Bauernsohn aus Sulmingen bei Laupheim und (so jedenfalls B. Welser) ein Abkömmling des einst berühmten Augsburger Händler- und Bankiersgeschlechts.

Benedikt Welser hat viele Bücher verfasst, unter anderem eine Geschichte seines Heimatdorfs und ein Buch über Wallfahrtsorte im Schwabenland. Einige seiner Bücher wurde von meinem Vater verlegt: unter anderen eine Biographie des Astronomen Kepler ("Das Schwindelhirnlein von Weil der Stadt").

Benedikt Welser erteilte mir auf Bitten meiner Mutter im Zeitraum 1956 / 58 zeitweilig Nachhilfeunterricht in Latein und Griechisch. Das war zwar völlig unnötig, weil ich in diesen Fächern Einser-Schüler war, aber meine Mutter hatte keine Zeit, sich um meine Hausaufgaben zu kümmern, und meinte, sie müsse mich deshalb von dem damals schon lang pensionierten Altsprachen-Lehrer zusätzlich beschulen lassen. – Beim Verfassen dieser Notizen stelle ich fest, dass Benedikt Welser meiner Frau und mir zur Hochzeit im Januar 1970 sein Gedichtbuch "Mitzulieben bin ich da" mit Widmung verehrte. Er dürfte bald nach dieser Widmung hochbetagt gestorben sein.

In meinen Erinnerungen notierte ich noch folgendes:

"Lateinvokabeln plus Schafehüten“

Meine Mutter bedauerte es während vieler Jahre, nicht mehr Zeit für mich zu haben. Wobei ihr das schlimmste zu sein schien, dass sie nicht die Zeit hatte, mich lateinische und griechische Vokabeln abzuhören. Meine Mutter engagierte daher einen einstigen Gymnasiallehrer, den Geistlichen Benedikt Welser, damit er mich Vokabeln abhöre. Das tat "Studienrat Welser" (wie man ihn nannte) einige Monate lang während einer Reihe Nachmittage. Er hütete währenddessen meist seine Schafherde. Vokabeln memorierend zogen wir beide, er mit der Hirtenschippe und dem Vokabelbuch in der Hand, ich brav neben ihm hergehend, hinter uns eine Schafherde, über die Baumwiesen nahe seinem Wohnhaus am östlichen Stadtrand von Ehingen (heute stehen hier überall neue Wohnhäuser).

Benedikt Welser hat  am Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn eine romanhafte Autobiographie, "Vom Stahlhelm zum Birett" verfasst: Er schilderte darin, wie er sich als Soldat im Ersten Weltkrieg entschied, Pfarrer zu werden. - Sein "Markenzeichen" in Ehingen waren  ein schwarzer breitkrempiger Hut und ein Wanderstock, mit dem er  ausschritt, kräftiger  als mancher weit Jüngere. - Herzlich offen lachen sah ich ihn nie – das schien ihm vielleicht mit der Würde seines Amtes unvereinbar; Lachen war ihm vielleicht auch während des Ersten Weltkriegs oder während seiner Theologen-Ausbildung ausgetrieben worden.

Als Haushälterin hatte Benedikt Welser eine überaus freundliche, gutherzige Frau, klein von Körpergröße, aber groß an Gemüt, lebhaft und fröhlich – insofern war sie das Gegenteil ihres "Hairle“ („Herrlein“ - schwäbisch-ironisch für einen katholischen  „Pfarrer“). - Die Haushälterin (schwäbisch „Hausere“) war besorgt ebenso sehr um das leibliche Wohl ihres "Haierle" wie um das der Hühner und Schafe im und am Haus. "Fräulein Anna" wäre mir als Gesprächspartnerin lieber gewesen als der gestrenge „gschdudierte“ Pfarrer. 

Als bald Fünfzigjähriger eine Dissertation über T. W. Adorno

Herbert Karl Kraft kam als junger Mann während oder nach dem Krieg nach Ehingen. Er leitete hier einige Zeit das Volksbildungswerk und die Stadtbücherei, war viele Jahre Redakteur in Ulm und zuvor auch einige Jahre bei der Ehinger Schwäbischen Zeitung.  Meine Erinnerung hier an H. K. Kraft wurde im Winter 08/09 von seinem in München als Bibliothekar tätigen Sohn Harald entdeckt; er war sehr froh darüber, dass im Internet endlich noch jemand Notiz von seinem Vater nimmt. Er half  mit auch mit präzisen Angaben zur Person: H. K. Kraft starb im Juni 2001 im 79. Lebensjahr. Seine Dissertation: Musikanschauung und Wirklichkeitsbegriff konnte er 1967 in Haarlem vollenden und 1968 - er war damals 46 Jahre alt - wurde diese in den Niederlanden gedruckt. Kraft hätte damals auch eine Uni-Stelle in den Niederlanden erhalten.  – Ein wichtiger Lehrer Kafts war auch der meine gewesen: Theodor Wiesengrund Adorno. Als ich das erfuhr, war ich berührt von dem Umstand,  dass es außer mir noch einen anderen Menschen in Ehingen gab, der „meinen“ einstigen Frankfurter Universitätslehrer bewunderte. – Dr. Kraft war der einzige Mensch, der mir zum bestandenen Abitur ein Buch schenkte. 

Notizen aus Oberschwaben

Ein früherer Redakteur der Schwäbischen Zeitung, aus dem Weiler Brugg bei Bad Wurzach, Diplomvolkswirt Gerhard Reischmann, hat einen schönen Band mit „Notizen aus Oberschwaben – Menschenskinder“ herausgebracht (2008, 260 Seiten, Kunstverlag Fink, Lindenberg). – Reischmann leitete früher die Lokalredaktion der Schwäbischen Zeitung in Bad Waldsee, bis der Verlag diese Lokalredaktion strich. Reischmann passte mit seiner Einstellung nicht in die derzeit gängige Marschroute des Schwäbischen Verlags, wie auch eine Reihe anderer bewährter, langjähriger Redakteure (Auch  MEINE Redakteure passten nicht in die JETZIGE SZ-„Landschaft“. Das zeigte sich rasch,  nachdem ich den  Lokalverlag Ehingen an den Schwäbischen Verlag verkauft hatte). 

Eine Kennerin elsäßischer Dialekte 

Zwar nicht ganze Bücher geschrieben, aber doch reizvolle Beiträge zu Büchern geleistet hat meine langjährige Schweizer Mail-Freundin Gretel Steiner-Diehl. Die gebürtige Elsäßerin aus Vendenheim in der Nähe von Straßburg kam als junge Frau bald nach dem Zweiten Weltkrieg in die Schweiz und  heiratete hier. – Gretel Steiner hat drei lange Vers-Geschichten von Wilhelm Busch, den „Hans Huckebein“, „Max und Moritz“ und „Plisch und Plum“,  aus dem hochdeutschen Original in den Dialekt ihrer Heimat übertragen. Die dichterischen Übertragungen sind in drei Bänden einer anspruchsvollen Reihe des Universitätsverlags C. Winter, Heidelberg, erschienen.

Die weltgrößte Lieder-Website  -

Der kanadische Autor besuchte in einem Dorf bei Ehingen die Grundschule

Mit Gretel Steiner wurde ich bekannt über einen ungewöhnlichen Autor, einen Mann, der zwar, soweit ich weiß, kein Buch geschrieben hat, aber eine Website zusammengetragen, deren Inhalte in gedruckter Form  VIELE Bücher umfassen würde: die unvorstellbar umfangreiche Liedersammlung „Ingeb.org“. Der seit über einem halben Jahrhundert in Kanada lebende Brückenbauer Frank Petersohn verbrachte eine Reihe Kindheitsjahre im Raum Ehingen, in der Dorfschule Weilersteußlingen, wo seine Mutter, eine Kriegerwitwe, Lehrerin war, bevor sie mit ihren beiden Kindern nach Kanada auswanderte.

Dichter, Heimatforscher, Museumsleiter, Mörike-Verehrer

Lange Jahre freundschaftlichen Umgang hatte ich mit dem aus dem Unterland stammenden, aber seit Jahrzehnten im Raum Ehingen lebenden Studienrat, Heimatgeschichtsforscher, Museumsleiter und Lyriker Siegfried Mall. Er schrieb früher zahlreiche geschichtliche Texte für die Ehinger Schwäbische Zeitung. - Von Siegfried besitze ich unter anderem seine menschennah verfasste Geschichte des Dorfes Kirchen (bei Ehingen) und ein Bändchen Gedichte, „Harlekinsträume“.

Illustriert wurden diese „Träume“ von dem Ulmer Künstler und Restaurator Kurt Kneer. Stichwort „Kurt Kneer“: Der Ulmer  restaurierte im Ehinger „Schlössle“ am Marktplatz, das mein Urgroßvater vor etwa hundertdreißig Jahren erworben hatte, einen Teil der schönen, bildhaften Stuckdecken (Anfang des 18. Jahrhunderts angefertigt von Mitgliedern der Kemptener Stukkateurfamilie Haggenmiller. Einen weiteren Teil restaurierte Anfang des dritten Jahrtausends die ausgezeichnete Berkacher Restauratorin Martina Scheuing). Kurt Kneer beehrte mich lange Jahre jedes Neujahr mit einem künstlerisch gestalteten Holzschnitt. 

Autoren, zu denen ich bereits anderswo etwas notierte

Mich als jungen Mann beeindruckte  der Philosoph und Schriftsteller Ernst Bloch. Ihm habe ich ein Kapitel in  meinen „Erinnerungen“ gewidmet, das auf dieser Website im Aufsatz „Jüdische Menschen, die ich kannte oder kenne“ nachzulesen ist.  Ich kannte Ernst Bloch aus Vorlesungen und Seminaren.  - Beim weiteren Büchersortieren fällt mir ein, dass ich noch einige weitere fleißige, berühmte Buch-Autoren als Uni-Lehrer kannte:  Ralf Dahrendorf, Theodor Eschenburg, Walter Jens, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Iring Fetscher, Jürgen Habermas, Oskar Negt, Claus Offe und weitere. Zu ihnen hatte ich freilich kein persönliches Verhältnis; sie schenkten mir auch keines ihrer Bücher. In meinen „Erinnerungen“ habe ich aber einiges über Bloch, Dahrendorf, Adorno und Habermas notiert und zitiere im folgenden  daraus.  

Teddys sanfte Augen und seine Bewunderer im Oberseminar

„Ich erinnere mich nicht nur an TEXTE  von T. W. Adorno, sondern auch  an seine freundlichen sanften Augen, seine leise, gefällige Stimme und an das Leuchten in seinen Augen, wenn ihn eine hübsch aussehende Studentin ansprach. Ich erinnere mich an die weihevolle Stimme Adornos im Oberseminar – als ob der Weltgeist persönlich spräche. (Manchmal war auch der einige Jahre ältere, damals schon emeritierte Professor Horkheimer anwesend), ich erinnere mich auch  - leicht peinlich berührt - an Studenten, die eine in meinen Augen übertriebene Verehrungshaltung gegenüber TWA einnahmen.

Im Seminar bei Adorno sah ich eine Reihe Studenten, die später teils recht bekannt wurden (inzwischen aber  - so wie ich - auch schon Ruheständler sind oder nahe dran): Da war etwa Bazon Brock (später Ästhetik-Professor in Hamburg und eifriger Buchautor), da war Detlev Claussen (damals ein SDS-Aktiver, meist ganz in schwarz gekleidet und im Jahre 2003, hundert Jahre nach Adornos Geburt, Uni-Professor und Autor einer von mehreren in jenem Jahr aus Anlass des hundertsten Adorno-Geburtstags erscheinenden Biographien).

Ich erinnere mich an weitere Oberseminar-Besucher wie den späteren ZEIT-Musikritiker Herbort, den Comic-Zeichner von Meysenbug (einen Verwandten der demokratisch gesinnten 19.-Jahrhundert-Schriftstellerin Malvida von Meysenbug), an den späteren Philosophen und Geistesgeschichtler Günter Mensching, Sohn eines Religionswissenschaftlers, ich erinnere mich an den späteren Lyriker und Romancier Wondratschek mit seiner schwarzrandigen Brille, seinem weißen Rollkragenpulli und seinem Selbstbewusstsein.  - Die beiden Assistenten Offe und Negt wurden später selbst Professoren. Negt schrieb zum „Dreißigjährigen“ der 68er-Bewegung ein dickes, trockenes Buch mit dem Titel „1968“. So ernsthaft wie hier sprach und schrieb er auch schon früher. Wer sah ihn jemals lachen?

Das erste Mal „Dialektik“ erlebt - Professor Habermas tut mir zu viel Ehre an

Ich erlebte eine ganz ungewöhnliche Würdigung als Student während einer Vorlesung von dem damals schon überregional bekannten und nachmals noch viel berühmteren Professor Jürgen Habermas, vor mehreren hundert Studenten. Habermas sagte mitten in einer soziologischen oder philosophischen Vorlesung unvermittelt: „Ich vertrete diese Meinung weiterhin, auch wenn Sie, Herr Feger, anderer Meinung sind“. - Ich war einer dieser hunderte Studenten und wäre am liebsten vor Scham unter den Tisch gerutscht; gottseidank kannte mich fast niemand in dem großen Saal. - Wie Professor Habermas zu dieser Aussage kam? – Um dies zu erklären, muss ich weit ausholen J - Es gab damals am Philosophischen Seminar der Uni Frankfurt einige Studenten, die sich mit für „Frankfurt“ gänzlich unheiligen Gegenständen befassten, mit Logischer Analyse, mit Philosophen wie Wittgenstein, Lorenzen etc.  Und wie kam es dazu? Einige „Adorniten“, also Studenten, die bereits während ihrer Gymnasialzeit oder während ihres beginnenden Studiums von ADORNO-Texten angetan waren und deshalb eigens in Frankfurt studierten (wie ich), waren ziemlich rasch vom Philosophierstil des LEIBHAFTEN Theodor W. Adorno enttäuscht. Dieser Stil war ihnen zu gefühlsgeschwängert; sie suchten nach mehr Kühle und Präzision und befassten sich deshalb mit den auf weite Strecken staubtrockenen (damals vor allem im angelsächsischen Sprachraum beheimateten) Sprachphilosophen, (In Wien gab es VOR dem Dritten Reich die vielleicht größte DEUTSCHsprachige Gruppe solcher Philosophen, genannt „Wiener Schule“; mehrere wichtige Vertreter  „Schule“ wurden  durch das nationalsozialistische Regime ins Exil getrieben). Diese  Philosophen, voran Ernst Popper, fielen unter das harte „Positivismus!“-Verdikt der „Frankfurter Schule“. Für „Sympathisanten“ der „Frankfurter Schule“ waren jene Themen und Personen, mit denen sich plötzlich, so ab Sommer 65,  eine kleine Frankfurter Gruppe Philosophiestudenten befasste (Klaus Perreth, Claas, Arno Müller, Klaus-Jürgen Düsberg, ich und wenige andere) so etwas wie der Gottseibeiuns persönlich mitten im höchsten Heiligtum. Das war wohl auch der Hintergrund von Habermasens entsetzen Satz an mich  während einer Vorlesung.

Mit jener „illegitimen“ Philosophiestudenten-Gruppe erlebte ich zum  ersten Mal in meinem Leben wirkliche „Dialektik“ (ein Lieblingsbegriff der „Frankfurter Schule“). Wir paar verschämten Neopositivisten, Sprachphilosophler, Wittgensteinianer, Russellianer, Popperianer waren eine GEGENgruppe, die gerade dort entstand, wo ein KONTRÄRER Philosophierstil intensiv betrieben wurde. Die Existenz dieser kleinen, informellen, bedeutungsarmen Studentengruppe scheint damals den „Frankfurter“ Professor Habermas beeindruckt haben.  Warum er dann gerade MICH, Veit Feger, namentlich heraushob, weiß ich nicht. Es kann sein, dass ich damals schon Hochschulreferent des Allgemeinen Studentenausschusses (ASTA) war und als solcher  versuchte, eine eigene Studentenvertretung („Fachschaft“) der Hauptfach-Philosophiestudenten zu gründen.

In jüngerer Zeit wird ein böses Wort von Golo Mann über Adorno als Beleg für gerechtfertigte Kritik an den „Frankfurtern“ verwendet. (Es wird vermutet, dass Golo verärgert war darüber, dass Adorno mitte der 60er Jahre seine, Golos, Berufung auf einen Politik-Lehrstuhl in Frankfurt hintertrieb. Für mein Empfinden freilich ärgerte sich T. W. Adorno zu RECHT  über einen antisemitisch infizierten Text Golos aus jenen Jahren; Für MICH ist es  erstaunlich, wie wenig abträglich  dieser Text Golo Manns Reputation war.) 

Im Sommer 2004 erschien eine Selberlebensbeschreibung des Soziologen Ralf Dahrendorf, in der er sich über Eigentümlichkeiten von Adorno/Horkheimer amüsiert (er war kurze Zeit in Frankfurt Assistent gewesen).; seine Schilderungen passen zu meiner Erfahrung, dass eine gewisse Heiligkeits-Aura  am Frankfurter Philosophischen Seminar in jener Zeit nicht verletzt werden durfte. 

Die FREUNDLICHKEIT des Professors  blieb in der Erinnerung

Dem Autor  Ralf Dahrendorf seien hier noch ein paar persönliche Zeilen gewidmet (ebenfalls aus meinen bisher unveröffentlichten „Erinnerungen“).

Wegen seiner schönen Rede, seiner schönen Gestalt, seines klugen, begeisterten, ja charmant zu nennenden  Vortrags beeindruckte mich in Tübingen der damals erst 35-jährige Soziologe Ralf Dahrendorf . Er war später Professor in Konstanz, dann in London, zeitweilig Kultusminister in Baden-Württemberg und noch später, und jetzt, während ich diese Erinnerungen schreibe, ist er Mitglied des englischen Oberhauses. Als LORD rühmte er in einem Interview vor einigen Jahren die Fähigkeiten des OBERhauses als GESETZGEBER; diese Fähigkeit zur Gesetzgebung sei bei den LORDS  weit entwickelter als bei den Commons des  UNTERhauses, das sich eben viel mehr mit aktualen Entscheidungen befasse.

Mehr als durch seine Vorlesungen blieb mir Dahrendorf in Erinnerung dadurch, dass er eines Dienstagabends, als er ein Uni-Gebäude verließ und wir uns zufällig begegneten, dass er, der damals schon angesehene Professor, bei dieser Gelegenheit MICH, das kleine, unauffällige Studentle, eines von vielen hundert, die Tage zuvor vor ihm im Hörsaal saßen,  freundlich grüßte. Ich weiß heute noch die Uhrzeit und die Stelle auf dem Tübinger Uni-Gelände, wo sich dies zutrug. - Diese Erinnerung lässt erahnen, wie groß der Abstand zwischen einem durchschnittlichen Studenten und einem ordentlichen öffentlichen Professor damals an einer traditionellen Uni wie Tübingen  war und zudem: wie ungewöhnlich das höflich-freundliche Verhalten von Ralf Dahrendorf. -  Vierzig Jahre nach diesem freundlichen Grüßen schrieb ich an das derzeitige Oberhaus-Mitglied einen Brief (mit einem späten Dankeschön für jene freundlichen Gruß durch den Professor); der Brief wurde freundlich beantwortet.

Als Rhetoriker beeindruckte mich der Professor (und Schriftsteller) Walter Jens, der immer im größten Saal der Uni vortrug. Ich muss gestehen: Ich empfand ihn als sehr von sich eingenommen.

Beeindruckend war die freundliche, selbstgewisse  Persönlichkeit des Theologen Hans Küng (Er erweckte nicht den mindesten Anschein, als könne er irgendwann von Zweifeln an sich selbst und seiner Arbeit geplagt sein). - Unsympathisch war mir der Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg wegen seiner  - meines Empfindens unsäglichen - Arroganz. – Ein ungewöhnliches Erlebnis verbindet mich mit dem zu seiner Zeit im deutschen Bildungskatholizismus vergleichsweise bekannten Tübinger Dogmatik-Professor Scheffczyk. Ich zitiere wieder aus meinen „Erinnerungen“

Das Buch eines protestantischen Theologen –

und was ein katholischer Dogmatiker davon hielt

An der Uni Tübingen las ich 1963 auf Empfehlung einer früheren Klassenkameradin das Buch eines protestantischen Berner Theologen aus der Albert-Schweitzer-Schule, Martin Werner: „Die Entstehung des christlichen Dogmas“. Die Lektüre dieses Buchs stürzte meine religiösen Vorstellungen um und verursachte einen raschen Abschied von der Religion meiner Kindheit und Jugend -  für immer.  

Ich hatte bis dahin gegenüber zahlreichen Dogmen ein Unbehagen, beispielsweise bei der Frage „Ein Gott – aber drei göttliche Personen“. Ich entwickelte in meiner Gymnasiumszeit eine Rückzugsposition folgender Art: Die Dogmen sind halt etwas Vorhandenes; konzentriere dich nicht auf Theorien, sondern  auf die ETHISCHE  Seite des Christentums!  Nicht der Glaube und seine dogmatisch verfestigten Inhalte sind  wichtig, sondern das TUN, die LIEBE!

Martin Werner zeigt nun in seinem Buch  - meines Erachtens wissenschaftlich brilliant - auf, dass die christlichen  Dogmen nicht  einen (wie ich bis dahin glaubte) mehr oder wenig zufällig zusammengekommenen Haufen von Glaubenssätzen bilden, sondern problemgeschichtlich ZUSAMMENHÄNGEN. Das zugrundeliegende Problem lautete: Wie kann der urchristliche Christ klarkommen mit der Enttäuschung seiner Erwartung auf eine RASCHE  Wiederkehr des auferstandenen Jesus? - Die frühen Christen, so Martin Werner, erfinden nun immer neue Dogmen, um mit dem Problem der ausbleibenden „Parousie“ fertig zu werden. Aber ein neues Dogma erzeugt fatalerweise jeweils einen neuen Problemlösungsbedarf.

Die zentralen Sätze des christlichen Glaubensbekenntnisses waren nach der Lektüre dieses Buches für mich nicht mehr, wie oben notiert, eine zufällige Aneinanderreihung von Sätzen, ein Konvolut, das man halt insgesamt verwirft oder, wie ich, insgesamt schluckt („Vogel, friss oder stirb!“), nein, es war eine Sammlung von Glaubensinhalten, die einen bestimmten Zweck hatten, aber einen, den sich der biblische Jesus noch gar nicht vorstellen konnte, weil auch er selbst höchstwahrscheinlich  ein Naherwarter war. Sonst hätte er – als göttliche Person ja allwissend - seinen Anhängern ihre falsche Hoffnung deutlich ausgeredet. Aber welcher Apostel oder auch welcher Neubekehrte wäre ihm und seinen Aposteln gefolgt, wenn diese  verraten hätte: „Also, VOR dem Jahr 2005 komm ich KEINESFALLS als Welterlöser zurück und keinesfalls beende ich diesen irdischen Schlamassel, unter dem ihr alle so sehr leidet, zu einem früheren Zeitpunkt.“

Bevor ich mich damals endgültig vom Katholizismus verabschieden wollte, besuchte ich eine Vorlesung des katholischen Dogmatik-Professors Scheffczyk (zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Erinnerungen, im Jahr 2004, ist er Kardinal). Ich sprach Scheffczyk  nach dem Ende einer Vorlesungsstunde an der Hörsaaltür an und fragte ihn, ob er das hier angesprochene Buch von Martin Werner kenne. „Ja.“ – Was er davon halte? -  „Werner ist ein hervorragender Kenner der Kirchenväter; seine Bildung wird ihm zum Verhängnis“

Diese Auskunft beeindruckte mich sehr. Und sagte mir genug.

Mit dem Verlust des christlichen Glaubens war mein damaliges Lebensplanungsproblem erledigt, nämlich einerseits die Wiederkunft Jesu und den Jüngsten Tag TÄGLICH zu erbitten und andererseits ein Studium zu beginnen, dessen Früchte erst Jahre später reifen würden. –  Meine Entscheidung damals: Ich werde nicht mehr um das BALDIGE  Kommen Jesu beten, sondern entscheide mich für einen Lebensplan mit nicht anders als längerfristig erreichbaren  Zielen.“

Dank an den Websitenbauer – ebenfalls ein Buch-Autor

Jüngeren Datums ist die Bekanntschaft mit Heiner Jestrabek aus Heidenheim, der eine Website für Freidenker unterhält und auf ihr zahlreiche gut geschriebene Texten zu sehr verschiedenen Themen bereitstellt (zum Beispiel über linke sudetendeutsche Dichter, über den Vorsitzenden des deutschen Freidenker-Verbandes (und nachmaliges NS-Opfer) Max Sievers, über Heidenheimer heimatgeschichtliche Themen etc. etc; außerdem sind von Jestrabek inzwischen auch Bücher erschienen). Jestrabek unterstützt den Reutlinger Schriftsteller und Elser-Biographen Hellmut Haasis, wenn es darum geht, sich des aus Heidenheim stammenden tapferen Hitler-Attentäters Georg Elser zu erinnern.  Heiner Jestrabek hat mir diese Website hier „gebaut“.

August 2006, November 2007, Februar 2009, August 2011

Veit Feger

eMail:  Veit.Feger@t-online.de

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